Im Jahr 422 erhielt der römische General Castinus den Auftrag, die Vandalen, die gerade plündernd den Süden der Iberischen Halbinsel durchstreiften, mit Hilfe einer Koalition aus römischen und westgotischen Streitkräften zu unterwerfen. Der eifrige Feldherr wollte sich profilieren und den Gegner vernichten, noch bevor Verstärkungen erschienen – und erlitt eine schwere Niederlage. Aus nahezu aussichtsloser Position konnten die Vandalen die feindlichen Truppen zurückdrängen; zeitgenössische Chronisten sahen darin mitunter ein Gottesurteil: Die Vandalen waren demonstrativ mit der Bibel als siegbringendem Feldzeichen in die Schlacht gezogen.
Dieses Ereignis bietet uns den ersten Beleg für die Zugehörigkeit der Vandalen zum Christentum, doch schweigen sich die Zeugnisse darüber aus, wann und in welcher Weise sich der Christianisierungsprozess vollzog. Es ist gut möglich, dass die entscheidenden Impulse vom Zusammentreffen der Vandalen mit den bereits christianisierten Westgoten in Spanien, nur wenige Jahre vor dem geschilderten Sieg über die römisch-gotische Koalition, ausgingen. Die Christianisierung der Goten hatte bereits im 4. Jahrhundert eingesetzt und war vor allem durch Wulfila (um 311–383) vorangetrieben worden, der als Bischof für die Christen im Gotengebiet wertvolle Missionsdienste übernahm, gleichzeitig aber über gute Kontakte zum Kaiserhof verfügt haben muss. Es ist wahrscheinlich, dass bereits diese Christianisierungsbemühungen auf die damals im Theiß-Gebiet lebenden Vandalen ausgestrahlt haben.
Wulfila hatte das christliche Bekenntnis in der homöischen Form weitergegeben, das heißt in einer Form, die um die Mitte des 4. Jahrhunderts auch von der römischen Führung vertreten wurde und die mitunter irreführend als arianisch bezeichnet wird. Die homöische Theologie (sie postulierte eine Ähnlichkeit zwischen Christus und Gottvater) wurde aber nicht von dem alex-andrinischen Presbyter Arius (gest. 336) entwickelt (auf ihn lassen sich nur generelle Aussagen zur Unterordnung Christi unter Gottvater zurückführen), sondern entstand um die Mitte des 4. Jahrhunderts aus den Diskussionen um das Glaubensbekenntnis, das 325 auf dem Ersten Ökumenischen Konzil von Nizäa festgelegt worden war; sie richtete sich insbesondere gegen die dort beschlossene Formel, wonach Christus Gottvater gleich (homoousios) sei. Unter der Herrschaft Kaiser Constantius’ II. (337–361) wurde dagegen auf der Doppelsynode von Seleukeia und Ariminum (359) die homöische Auffassung als rechtmäßig festgelegt und diese damit zum Ausgangspunkt für die sich damals vollziehende Christianisierung größerer germanischer Gruppen. Im Römischen Reich konnte sich die homöische Theologie nicht lange halten: Kaiser Theodosius I. bekräftigte 381 auf dem Zweiten Ökumenischen Konzil von Konstantinopel das nizänische Dogma, und schon bald spielten die Homöer innerhalb des Imperiums keine Rolle mehr. Bei den meisten Germanen sah das anders aus; sie blieben dem homöischen Bekenntnis treu, was mitunter weitreichende Folgen hatte – auch für das Zusammenleben von katholischen und homöischen Christen im vandalischen Afrika.





