Der vorliegende Sammelband erkundet die reiche Kulturgeschichte, die Menschen, Bienen und Honig seit der Antike miteinander verbindet, und spürt zahlreichen Fragen nach: Wie wandelte sich die Honiggewinnung von der Antike bis heute? Wo kamen Honig und Wachs in der mittelalterlichen Lebenswelt zum Einsatz? Welche Rolle spielten Bienenprodukte in der Medizingeschichte? Und wer gehörte zu den Schlüsselfiguren der neuzeitlichen Bienenforschung?
Bereits in der Antike nahm die literarische Beschäftigung mit den Honiglieferanten zu. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere räumte den Bienen, deren Fleiß er bewunderte, in seiner „Naturalis historia“ genauso viel Raum ein wie allen übrigen Insekten zusammen. Zu seiner Zeit wurden Bienen bereits unter professionellen Bedingungen gehalten. Archäologische Funde zeigen, dass man im antiken Griechenland zu diesem Zweck horizontal ausgerichtete Tongefäße mit einer Öffnung nutzte.
In Mitteleuropa dagegen setzte sich die Hausbienenzucht erst später durch. Im Mittelalter entwickelte sich dort die Waldbienenhaltung, die sogenannte Zeidlerei. Die Zeidler suchten im Wald nach geeigneten Niederlassungen für Wildbienen. Diese wurden erweitert und mit einem Brett verschlossen, in das ein Flugloch eingebracht war. Honig und Wachs fanden im Mittelalter in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens Anwendung, wie hauswirtschaftliche Rezepte und Anleitungen zeigen – nicht nur in der Küche, sondern auch bei der Herstellung von Farben, in der Tierhaltung, zur Schädlingsbekämpfung oder bei der Jagd.
Eine zentrale Rolle spielten Bienenerzeugnisse über alle Epochen hinweg in der Medizin: Honig diente zur Wundverschließung und Entzündungshemmung, galt aber auch als probates Mittel bei Augenbeschwerden, Verstopfung und Husten. Der „Admonter Bartholomäus“, ein Arzneibuch aus dem 15. Jahrhundert, gibt Auskunft, wie Honig in vielen Medizinprodukten der Zeit zudem den Zweck hatte, deren bitteren Geschmack abzuschwächen – noch heute ein beliebter Trick, um gesundheitsfördernde Kräutertees genießbar zu machen. aj





