Die Pueblo-Kultur des amerikanischen Südwesten entwickelte sich vor mehr als 3000 Jahren in einem Gebiet an der Grenze der heutigen US-Bundesstaaten Colorado und Utah. In der von steilen Felsklippen und Hochplateaus durchsetzen Landschaften begannen die Ureinwohner zunächst, Dörfer und in die Erde eingelassenen Wohnbauten in der Ebene zu errichten, später zogen sie in die Canyons und bauten dort Behausungen direkt in die Felswände. “Die bäuerlichen Pueblo-Gemeinschaften entwickelten eine der fortgeschrittensten präkolumbischen Kulturen Nordamerikas”, erklärt Radosław Palonka von der Jagiellonen-Universität in Krakau. “Sie perfektionierten die Kunst, mehrstöckige Steinhäuser zu errichten, die mittelalterlichen Stadthäusern oder sogar modernen Mietshäusern ähnelten.”
Fahndung nach Felsbildern
Doch die Pueblo-Kultur hinterließ nicht nur ihre berühmten Felsbehausungen: “Diese Menschen sind auch für ihre Felskunst, fein ziselierten Schmuck und Keramiken mit verschiedensten, mit schwarzem Pigment auf weißem Untergrund gemalten Motiven berühmt”, sagt Palonka. Er und sein Team haben in den vergangenen Jahren vor allem nach noch unbekannten Felsbildern, sogenannten Petroglyphen, gesucht. Dafür durchmusterten sie die Felswände in drei von der Pueblo-Kultur besiedelten Schluchten, Sand Canyon, Graveyard Canyon und Rock Creek Canyon, und arbeiten dabei auch eng mit den noch immer in diesem Gebiet lebenden Nachfahren der in der Zeit der Pueblo-Kultur hier lebenden Menschen zusammen.
“Ich dachte immer, dass wir dieses Gebiet schon komplett erkundet haben, mit umfangreichen Ausgrabungen, geophysikalischen Methoden und Digitalisierung”, berichtet Palonka. “Aber ich hatte einige Hinweise von älteren Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft, dass es in den höhergelegenen, weniger zugänglichen Zeilen der Canyons noch mehr zu entdecken gibt.” Deshalb erkundeten die Archäologen diese Bereiche unter anderem mithilfe von Drohnen, aber auch durch waghalsige Kletterpartien.

Spiralen, Linien und komplexe Muster
Tatsächlich wurde das Archäologenteam fündig: “Was wir dort fanden, übertraf unsere wildesten Erwartungen”, sagt Palonka. “Es zeigte sich, dass es rund 800 Meter oberhalb der Felsbehausungen eine Menge noch unbekannter Petroglyphen gibt. Die enormen Felsbilder erstrecken sich mehr als vier Kilometer lang um das große Plateau.” Datierungen ergaben, dass einige dieser Felsbilder bis in das dritte Jahrhundert zurückreichen. Sie zeigen stilisierte Abbildungen von Kriegern und Schamanen. Der größte Teil der neuentdeckten Petroglyphen stammt jedoch aus dem 12. und 13. Jahrhundert, diese Felsbilder zeigen meist komplexe geometrische Muster.





