Die Hunnen – darunter Attila und seine Herrscherdynastie – dominierten einst Südosteuropa. Das Schreckensreich dieser Reiterkrieger währte vom vierten bis fünften Jahrhundert nach Christus und war damit zwar relativ kurzlebig, aber durchaus einflussreich und eine ernste Bedrohung für die Römer. Bekannt ist, dass die Hunnen-Vorfahren aus Zentralasien stammten. Doch ihre genauen ethnischen und sprachlichen Ursprünge waren bislang umstritten, da keine schriftlichen Dokumente in ihrer eigenen Sprache erhalten sind. Viele Erkenntnisse über die Hunnen stützen sich stattdessen auf Schriftdokumente in anderen Sprachen, die fremde Völker rückblickend über die Hunnen verfasst haben.
Dasselbe gilt für die Xiongnu-Dynastie, deren Bezeichnung „Xiōng-nú“ aus dem Chinesischen stammt. Diese Hirtennomaden bildeten vom dritten Jahrhundert vor Christus bis zum zweiten Jahrhundert nach Christus eine lose Stammeskonföderation im heutigen Nordwestchina und Umland. Ihre wiederholten Angriffe haben die Chinesen angeblich zum Bau der Großen Mauer veranlasst. Die Hauptstadt des Xiongnu-Steppenreiches, Long Cheng, haben Archäologen vor einigen Jahren in der Mongolei freigelegt. Demnach lebten die Xiongnu ebenfalls in Innerasien, aber einige Jahrhunderte vor der Blüte des Hunnenreichs in Europa. Historiker vermuten aufgrund archäologischer und genetischer Befunde, dass die Xiongnu mit den ethnischen Vorfahren der Hunnen verwandt oder identisch waren, von denen einige später die Gegend in Richtung Europa verließen.
Hunnen und Xiongnu hatten dieselbe Sprache
Bekannt ist zudem, dass türkische Völker ab dem siebten Jahrhundert nach Christus westwärts expandierten. Daher vermutete man bisher, dass auch die Xiongnu und die Hunnen-Vorfahren eine Turksprache sprachen. Ebenso halten Forscher aber auch eine Sprache mongolischer oder iranischer Abstammung für möglich. Welche dieser Theorien stimmt, haben nun Svenja Bonmann von der Universität zu Köln und Simon Fries von der Universität Oxford untersucht. Dafür analysierten die beiden Forschenden verschiedene linguistische Quellen, die Lehnwörter, Glossen, Eigennamen der Hunnen sowie Orts- und Gewässernamen enthielten. Daraus rekonstruierten sie die mögliche Entwicklung und Zugehörigkeit der Hunnensprache.







