Zwischen Oktober 2000 und März 2003 recherchierte der kürzlich verstorbene ehemalige Lehrer Peter Nolte im Rahmen eines Projekts am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität die Schicksale von Studierenden der Berliner Universität, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Im Oktober 2001 besuchten 22 ehemalige Studierende, die Nolte auf diese Weise ausfindig machen konnte, die Humboldt-Universität. In Europa, den USA und Israel der Forscher über 80 Filminterviews mit Überlebenden, die nun in Ausschnitten zum ersten Mal zu sehen sind.
Um das Projekt abzuschließen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen, wurde eine neue Webseite am „Lehrstuhl für die Geschichte des 20. Jahrhunderts“ in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Humboldt-Universität fertig gestellt. „In der Literatur wird die Vertreibung der jüdischen Studierenden zwar zahlenmäßig behandelt, aber nicht als Erfahrungsgeschichte“, sagt Johanna Langenbrinck vom Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität.
Etwa 2000 Studierende waren 1933 bis 1938 an der Berliner Universität – der heutigen Humboldt-Universität – eingeschrieben. „Viele Studierende haben die Universität bereits wenige Monate nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft verlassen und nicht darauf gewartet, dass sie zwangsexmatrikuliert werden. Sie waren sich aufgrund der vorhergehenden Geschehnisse schon bewusst, was sie erwarten würde. Sie hatten Angst vor gewaltsamen Angriffen auf dem Campus oder sahen keinen Sinn mehr in einer akademischen Ausbildung in Deutschland“, sagt Langenbrinck.
Zahlreiche Studierende emigrierten frühzeitig in die USA, nach Palästina oder in andere europäische Länder. Wenige blieben in Deutschland, studierten weiter und schlossen ihr Studium trotz widrigster Umstände ab. Viele der Studierenden, die nicht rechtzeitig emigrierten, wurden deportiert und ermordet. Nur die Überlebenden konnten ihre Geschichten überliefern.





