Mala Zimetbaum: „Ihr werdet für eure Taten büßen“ - wissenschaft.de | DAMALS
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„Ihr werdet für eure Taten büßen“
Im September 1944 starb die aus Polen stammende Jüdin Mala Zimetbaum, 26 Jahre alt, in Auschwitz-Birkenau – eines von mehreren Millionen Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns. Aber Mala Zimetbaum leistete in ihrer Funktion als Dolmetscherin des Lagers Widerstand, rettete anderen Frauen das Leben. Protokoll…
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Auf dem Sondergleis der Kaserne Dossin im belgischen Mechelen werden 1048 jüdische Menschen in einen Zug gequetscht – 401 Frauen, 383 Männer, 113 Mädchen, 151 Jungen. Darunter ist Mala Zimetbaum, 24 Jahre alt. Es ist der 15. September 1942, der „Transport X“ steht an. Seit „Transport I“ am 4. August 1942 werden Juden aus Belgien, die sich in der Kaserne melden müssen, angeblich zum „Arbeitseinsatz“, in den Osten transportiert, nach Polen.
15. September 1944: Tausende gefangene jüdische Frauen im Frauenlager Auschwitz-Birkenau müssen am Nachmittag ansehen, wie Mala Zimetbaum von einem SS-Mann auf einen zentralen Platz geführt und ihr Todesurteil von der SS-Lagerleiterin verlesen wird. Mitten in dieser mörderischen Inszenierung schneidet sich Mala Zimetbaum mit einer Rasierklinge ins Handgelenk, schlägt dem SS-Mann ins Gesicht und ruft: „Mörder, ihr werdet bald für eure Taten
büßen.“
20. Januar 1918: Im polnischen Städtchen Brzesko, rund 55 Kilometer östlich von Krakau, wird Mala Zimetbaum geboren (außerhalb von Polen wird bisher fälschlich der 26. Januar angegeben; auf ihrer Geburtsurkunde steht das Datum 20. Januar). Ihr Vater Pinkas Zimetbaum und ihre Mutter Chaja Schmalzer, beide 1881 in Brzesko geboren, sind geprägt von einer osteuropäischen Kulturlandschaft – Galizien –, wo die jüdische Mehrheit seit Generationen die Erfahrung macht, dass ihre jüdische Welt- und Lebenssicht von der christlichen Minderheit akzeptiert wird. In Brzesko ist jeden Dienstag Markttag im Zentrum der Stadt. An den Ständen drängen sich jüdische und christliche Menschen zum Kaufen und Verkaufen – ein Ort friedlicher Kommunikation. Fällt ein jüdischer Feiertag auf einen Dienstag, verzichten die Christen ohne Murren auf den Markt.
Ende des 19. Jahrhunderts nimmt in ehemals polnischen Gebieten der Antisemitismus zu
Während das konfliktfreie Miteinander bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Brzesko noch selbstverständlich war, breitete sich in anderen Teilen des ehemaligen Polen eine antisemitische Stimmung aus, von der katholischen Kirche angestachelt. Seit 1880 kam es zu antisemitischen Verfolgungen, Pogromen. Die Folge: Zwischen 1880 und 1910 verließen offiziell 236 504 jüdische Menschen Galizien und emigrierten in die USA.
Angesichts dieser tragischen Entwicklung wird oft vergessen, dass jahrhundertelang jüdische Familien in Europa von West nach Ost gewandert waren und in Polen eine gesicherte Heimat gefunden hatten. Der großpolnische Herzog Boresław der Fromme hatte 1264 eine Schutzverordnung erlassen, die Juden in seinem Land die gleichen Rechte im Handel, in der Niederlassung und in der Verwaltung ihres Gemeindelebens garantierte wie den christlichen Bewohnern.
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Und dies zu einer Zeit, in der in Westeuropa in mehreren Wellen die jüdische Bevölkerung verfolgt und vertrieben wurde: 1290 aus England, 1306 aus Frankreich, 1492 aus Spanien. 1543 veröffentlichte Martin Luther sein hasserfülltes antisemitisches Pamphlet „Über die Juden und ihre Lügen“. Die Zahlen sprechen für sich: Um 1500 lebten in Polen-Litauen rund 24 000 Juden, ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Um 1650 waren es etwa 500 000 Juden, die nun fünf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.
11. November 1918: Nur elf Monate nach Malas Geburt und einen Monat nach dem Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg wird in Warschau unter dem Jubel der Bevölkerung die unabhängige Republik Polen ausgerufen.
12. November 1918: Bewaffnete Bauern aus dem Umland ziehen durch die Straßen von Brzesko, plündern jüdische Häuer und ermorden acht Juden. Es ist der Anfang einer blutigen Welle von mindestens 150 antijüdischen Exzessen, die sechs Wochen lang den neuen polnischen Staat erschüttern. Im März 1919 zieht der nächste antisemitische Sturm durch das Land. Von 1920 an wird die Republik Polen die Rechte der jüdischen Bevölkerung gegenüber den christlichen erheblich einschränken.
November 1926: Pinkas Zimetbaum kommt mit dem Zug in Antwerpen-Centraal, dem prächtigen Neorenaissance-Hauptbahnhof, an. Im April 1927 erhält Malas Vater die endgültige Aufenthaltserlaubnis für Belgien, die automatisch mit einer Arbeitserlaubnis verbunden ist.
März 1928: Die zehnjährige Mala verlässt mit ihrer Mutter Brzesko und trifft in Antwerpen ein. Die beiden älteren Schwestern werden folgen. Pinkas Zimetbaum und seine Frau Chaja Schmalzer haben offenbar beschlossen, sich mit ihren Kindern endgültig in der Hafenstadt an der Schelde niederzulassen.
Die Jahre als Teenager in der weltoffenen Metropole Antwerpen
Für den Teenager Mala beginnt das neue Leben in einer weltoffenen Metropole mit rund 5000 gemütlichen Cafés. Und Antwerpen ist gerade dabei, zur führenden industriellen Region in Belgien aufzusteigen. Die Eltern beschließen, Mala in die renommierte städtische Mädchenschule in der Lange Leemstraat 26 zu schicken und nicht in eine jüdische Schule. Kaum in der Schule, wird Mala von der vierten gleich in die fünfte Klasse versetzt, denn sie fällt durch ihre Kenntnisse und ihre Wissbegierde auf.
Nach dem Schulabschluss 1932 bewirbt sich Mala um eine Ausbildung als Näherin im „Maison Lilian“, einem eleganten Modehaus im Zentrum von Antwerpen. Mala erhält den Job; das setzt voraus, sie spricht nicht nur Flämisch, sondern auch perfekt Französisch, die Sprache der meisten Kundinnen. Niemand im Modehaus scheint zu stören, dass sie eine Jüdin ist und aus Polen kommt.
Die katholische Lokalzeitung „Gazet van Antwerpen“ hatte 1929 erstmals Juden mit „Parasiten“ verglichen. Aber in den beginnenden 1930er Jahren gibt es in Antwerpen keinen organisierten Antisemitismus, keine „jüdische Frage“. Mala nutzt die Chance, die Antwerpen ihr bietet: zwei sehr unterschiedliche Kulturen mit ihrem Leben zu verbinden.
Nach der Arbeit sitzt sie viele Stunden im Lesesaal der Stadtbibliothek, deren Bestand einen tiefen Blick in die christlich-flämische Kultur ermöglicht. Zeitgleich engagiert sich Mala in einer jüdischen Bewegung, die der Wiener Jude Theodor Herzl 1896 mit seinem Buch „Der Judenstaat“ ins Leben gerufen hatte. 1897 forderte ein Kongress in Basel „für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“. Damit ist der Zionismus endgültig Teil des Judentums geworden.
1933 gründet die polnische Bewegung Hanoar Hatzioni – hebräisch: „Die zionistische Jugend“ – ihren ersten belgischen Zweig in Antwerpen, Mala wird Mitglied. Einmal wöchentlich treffen sich die Jugendlichen und diskutieren über Politik und religiöse Fragen. Bei Hanoar Hatzioni gilt: Allen Menschen, unabhängig von Religion und Herkommen, gebührt der gleiche Respekt. „Sei stark und mutig“, wird den Jugendlichen als Devise für ihr Leben mitgegeben. Ausflüge werden gemacht, man organisiert Feriencamps.
Hitlers Judenhass, begeisterte Deutsche und Hetze auch in Belgien
Am 20. Januar 1933 ist Mala 15 Jahre alt geworden. Eine junge Frau, die selbständig Entscheidungen trifft, sich zum Judentum bekennt und zugleich offen ist für ihre christlich geprägte Umgebung. Als Zionistin ist sie bestens informiert über das, was jenseits der belgischen Grenzen vor sich geht.
30. Januar 1933: In Berlin wird Adolf Hitler, „Führer“ der NSDAP, vom Reichspräsidenten gemäß den Regeln der Weimarer Republik zum Reichskanzler ernannt. Von „Machtergreifung“ kann keine Rede sein.
Ein Blick zurück. 20. August 1920: Der 31-jährige Hitler, beliebtester Redner der NSDAP, hält im Hofbräuhaus in München eine Rede. Er beginnt mit der Frage: „Warum sind wir Antisemiten?“ Weil Juden, so seine Antwort, nur als „Parasiten am Körper anderer Völker“ leben. Und darum sei das „unverrückbare Ziel“ die „Entfernung der Juden aus unserem Volke“. Die über 2000 Menschen im Saal bejubeln diese Aussage mit „stürmischem, lang anhaltendem Beifall und Händeklatschen“. So ist es nicht verwunderlich, dass es keinen Protest in Deutschland gibt, als Reichskanzler Hitler seit März 1933 seine radikale antisemitische Überzeugung mit Gesetzen in die Praxis umsetzt. Ob Bürgertum oder Arbeiterschaft: Adolf Hitler wird von großen Teilen der Bevölkerung als „Retter und Erlöser“ umjubelt. 1936 herrscht Vollbeschäftigung.
Januar 1937: In Antwerpen wird mit der „Volksverteidigung Antwerpen“ – „Volksverweering Antwerpen“ – erstmals eine belgische Partei gegründet, die ausschließlich vom Antisemitismus lebt. Ihr Parteiblatt mit dem Untertitel „Zum Schutz von Blut und Boden“ verkündet, die Juden müssten „aus unserem Volk herausgeschnitten … werden“. Seit 1938 haben alle überregionalen national-flämischen Verbände in Antwerpen ihre Hauptquartiere. Was sie verbindet, ist ein radikaler Antisemitismus.
Doch die Juden in Belgien fühlen sich weiterhin sicher. Sie haben alle Freiheiten, was Religion, Kultur und Arbeitsmöglichkeiten betrifft.
Obwohl es keine entsprechenden Dokumente gibt, wird das wohl auch für die selbstbewusste junge Mala gelten. 1938 begegnet sie in der zionistischen Jugendbewegung Charles Sand, 1920 in Antwerpen geboren. Es entwickeln sich Gefühle, die beide immer tiefer verbinden. Sie lieben Ausflüge, oft mit ihren Fahrrädern.
1. September 1939: Um drei Uhr nachts haben rund 1,5 Millionen deutsche Soldaten die Grenze zu Polen durchbrochen. Hitler hat den Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Am 27. September kapituliert Warschau, Polen ist besiegt.
Dem Überfall auf Polen folgt bald der Angriff im Westen
10. Mai 1940: Gegen halb fünf Uhr morgens werden die Menschen in Antwerpen aus dem Schlaf gerissen, zweifellos auch Mala mit ihren Eltern. Dröhnend ziehen die Bomber der deutschen Luftwaffe eine Schneise der Verwüstung durch den Stadtteil, in dem der Flughafen liegt. Danach nehmen sie den Hafen ins Visier. Zur selben Zeit werden Luxemburg und die Niederlande überfallen. Belgien und die Niederlande widersetzen sich militärisch.
18. Mai 1940: Ohne dass ein Schuss fällt, rücken deutsche Truppen am frühen Morgen in Antwerpen ein. Die belgische Regierung wollte weiterkämpfen. Doch König Leopold III. setzt sich mit seiner Meinung durch: Belgien ergibt sich ohne weitere Kämpfe. In Brüssel wird eine deutsche Militärregierung eingesetzt.
Nach dem Schock des Überfalls und der Besatzung gerät das Leben in Antwerpen erstaunlich schnell wieder in gewohnte Bahnen. Zumal die neuen Machthaber über Monate die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht beschneiden. Mala geht weiterhin zu ihrer Arbeit ins Modegeschäft und kann sich in der Freizeit mit Charles, der nun als ihr Verlobter gilt, den Vergnügungen widmen, welche die Stadt bietet.
28. Oktober 1940: Die deutsche Militärregierung verkündet die erste „Judenverordnung“. Alle jüdischen Menschen in Belgien über 15 Jahren müssen sich in ein „Judenregister“ eintragen. Das „kleinere Übel“, sagen sich die jüdischen Gemeinden. Solange wir die Anordnungen der Besatzer beachten, wird unser Leben erträglich bleiben. 42 632 jüdische Menschen in Belgien werden sich bis zum Jahresende registrieren, darunter auch Mala Zimetbaum.
Doch nach und nach zeigen die Deutschen ihr wahres Gesicht. Vor allem, nachdem Hitler am 12. Juni 1941 mit drei Millionen deutschen Soldaten die Sowjetunion überfallen ließ, folgt in Belgien eine „Judenverordnung“ nach der anderen, um jüdische Menschen aus der Gesellschaft auszuschließen. Zu Beginn des Jahres 1942 verliert Mala ihre Arbeit im Modegeschäft.
20. Januar 1942: In Berlin kommen 15 Experten aus verschiedenen Ministerien und Verwaltungen in einer Villa am Wannsee zusammen, acht von ihnen Akademiker. Was als „Endlösung“ im Protokoll steht, bedeutet die „Vernichtung“ der Juden in den Konzentrationslagern (KZ) im ehemaligen Polen. Beim Treffen am Wannsee soll sie effizient organisiert werden. Die Männer wissen, dass die „Evakuierungsquoten“, die sie für die besetzten Länder aufstellen, „Tötungsquoten“ sind. Belgien soll in den folgenden Monaten 10 000 jüdische Menschen für den Transport in Richtung Osten liefern.
27. Mai 1942: Alle Juden in Belgien müssen in der Öffentlichkeit auf der Kleidung deutlich sichtbar einen gelben Stern tragen. Und vom 12. Juni an dürfen sie nicht mehr ins Kino oder Theater gehen.
Mala Zimetbaum gelangt mit „Transport X“ nach Auschwitz
22. Juli 1942: Als Mala mit einem Zug von Brüssel in Antwerpen-Centraal ankommt, wird sie im Bahnhof verhaftet und zusammen mit 160 jüdischen Frauen und Männern vor den Augen der Öffentlichkeit auf Lastwagen verfrachtet. Ziel: zunächst unbekannt. Es ist die erste „Juden-Razzia“ in Antwerpen.
27. Juli 1942: Die Gefangene Mala Zimetbaum wird in die Kaserne Dossin in Mechelen überführt. 10 000 jüdische Menschen in Belgien haben den Befehl bekommen, sich in dieser Kaserne zum „Arbeitseinsatz“ einzufinden. Mala, durch ihre vielfältigen Sprachkenntnisse aufgefallen, muss mit anderen Frauen die Ankommenden in Listen eintragen.
4. August 1942: Für „Transport I“ in Richtung Osten müssen sich 998 Männer und Frauen sowie sieben Kinder unter 16 Jahren von der Kaserne zu den nahen Gleisen aufmachen und in einen Zug steigen – weil sie Juden sind. Am 11. August folgt „Transport II“.
Weil sich immer weniger jüdische Menschen in der Kaserne Dossin melden, werden seit dem 13. August 1942 in nächtlichen Razzien jüdische Familien in Antwerpen von der deutschen und der Antwerpener Polizei aus ihren Wohnungen geprügelt und mit Lastwagen in die Kaserne geschafft.
15. September 1942: Mala Zimetbaum steht auf der Liste für „Transport X“. Am 17. September kommt der Zug gegen Abend auf dem Güterbahnhof von Auschwitz im ehemaligen Polen an. Die Türen werden aufgerissen, draußen brüllende Männerstimmen: „Raus, schnell, schnell!“ Von den 1048 Menschen im Zug werden 717, vor allem Alte, Gebrechliche und Frauen mit Kindern, sofort mit Lastwagen zur Gaskammer gefahren.
Die arbeitsfähigen Männer und Frauen müssen losmarschieren. Nach einer knappen Stunde geht Mala mit 110 Frauen durch das Tor ins Frauenlager Auschwitz-Birkenau, seit August eingerichtet. Mala durchläuft die gleiche Prozedur wie alle Frauen, die hier ankommen: Vor den SS-Männern nackt ausziehen, unter eine kalte Dusche ohne Seife oder Handtuch, alle Körperhaare werden abrasiert, und dann wird jeder Frau eine Zahl in den linken Unterarm tätowiert. Mala ist von nun an Nummer 19 880.
Nach gelungener Flucht erneut verhaftet und zum Tod verurteilt
Im Frauenlager versteckt Mala sich nicht in der Menge, sondern bietet den anderen Häftlingen ihre Sprachkenntnisse an – Deutsch, Polnisch, Niederländisch, Französisch, Jiddisch. Im Frühjahr 1943 macht die oberste SS-Aufseherin Mala Zimetbaum zur „Läuferin“ und Dolmetscherin im Lager Auschwitz-Birkenau und bald zur Chefdolmetscherin. Pflichtbewusst erledigt Mala als „Funktionshäftling“ ihre Arbeit und gewinnt das Vertrauen des SS-Personals – um so die Täter und Täterinnen zu überlisten.
Wenn Mala als Läuferin von Selektionen im Krankenrevier erfährt, die in die Gaskammer führen, schleust sie kühl kalkulierend einzelne Frauen zuvor aus dem Krankenbau. Seit 1943 erinnern der Rauch aus vier Krematorien und der Leichengeruch alle im Lager Tag und Nacht an die mörderische Brutalität, die ohne Pause Menschenleben auslöscht. Doch Mala besitzt die innere Kraft, nicht aufzugeben und immer aufs Neue Leben zu retten, auch wenn es nur wenige sind.
Ende 1943 beginnt eine Beziehung zwischen Mala und dem 20-jährigen Polen Edward Galiński, auch ein Funktionshäftling, der sich frei in den Lagern bewegen kann.
24. Juni 1944: Mala Zimetbaum gelingt zusammen mit Edward Galiński die Flucht aus dem Lager Auschwitz-Birkenau. Als die gefangenen Frauen davon erfahren, sind sie begeistert und überzeugt, Mala werde der Welt die Wahrheit über Auschwitz berichten. 13 Tage später werden die beiden Geflohenen jedoch von einem SS-Trupp gefasst. In den wochenlangen Verhören, teilweise unter Folter, geben sie keine Namen preis.
15. September 1944: Tausende von weiblichen Häftlingen müssen mit ansehen, wie Mala von einem SS-Mann auf einen zentralen Platz im Frauenlager geführt wird. Die SS-Lagerleiterin erklärt: „Juden … Ihr werdet ihrem Tod beiwohnen, denn sie ist verloren.“ Da beginnt Mala, sich mit einer Rasierklinge ins Handgelenk zu schneiden. Der SS-Mann ergreift ihren Arm. Mala schlägt ihm mit ihrer blutigen Hand ins Gesicht. „Mörder“, schreit sie, „ihr werden bald für eure Taten büßen müssen“. Und zu den erstarrten Frauen: „Meine Schwestern, fürchtet euch nicht! Ihr Ende ist nahe.“
Mala wird in eine Schubkarre geworfen. Unter den Frauen bricht Chaos aus. Wird Mala noch ins Krankenrevier gefahren oder gleich ins Krematorium? Wird sie dort lebendig ins Feuer geworfen? Keine der überlebenden Frauen, die später über dieses Drama berichteten, war bis zu ihrem Ende dabei. Edward Galiński wurde am selben Tag im Männerlager erhängt.
Mala Zimetbaum steht für das Leben einer jungen jüdischen Frau, die mit Widersprüchen leben konnte, ja daraus ihre Kraft zog. Selbstbewusst hat Mala Zimetbaum im Frauenlager Auschwitz-Birkenau Widerstand gegen eine mörderische Rassenideologie geleistet. Die überlebenden Frauen sind sich in ihren Erinnerungen einig: „Mala war ein Symbol der Solidarität. Dank Mala haben wir überlebt … sie war unsere Heldin.“
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