Die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Burgen als bauliche Zeugnisse einer vergangenen höfisch-ritterlichen Blütezeit begann in der Epoche der Romantik Ende des 18. Jahrhunderts und hielt bis weit in das 20. Jahrhundert hinein an bzw. ist bis heute ein wichtiger Zweig der interdisziplinären Forschung. Sie als versponnene Liebhaberei einiger Adliger, nostalgischer Landschaftsmaler oder rückwärtsgewandter Architekten abtun zu wollen, greift weitaus zu kurz. So scheint denn auch der Begriff „Burgenromantik“ für diese historistische Etappe der Erforschung des kultur- und architekturhistorischen Phänomens „Burg“ nicht ganz passend, denn neben einer Mystifizierung des Gegenstands wurde eine wissenschaftliche Aufarbeitung der mittelalterlichen Burg in die Wege geleitet, die unter anderem mit den neuen Verfahren der Inventarisation und Bauaufnahme bedeutende denkmalpflegerische Leistungen erbrachte.
Die auslösenden Anfänge sind allerdings tatsächlich in der Begeisterung für malerisch gelegene Burgruinen zunächst in England und Schottland, später dann auch in Deutschland (etwa im Rhein- oder Saaletal) auszumachen. Mit den Burgmauern aus längst vergangenen Zeiten assoziierte man das geheimnisvoll sagenumwitterte Ritterwesen des Mittelalters sowie die eigenen national-patriotischen Wurzeln. Bereits 1794 erkannte der junge Berliner Architekt Friedrich Gilly zusammen mit seinem Vater David auf einer Reise durch Ost- und Westpreußen die Bedeutung der Ruine der Marienburg als mittelalterliche Deutschordensburg und erfasste den Bau und seine spätgotischen Räumlichkeiten in einem Konvolut von Zeichnungen, die bis 1803 als Radierungen publiziert wurden. Im Oktober 1817 zogen deutsche Burschenschaften auf die Wartburg bei Eisenach und erklärten den geschichtsträchtigen Ort mit den Resten der mittelalterlichen Burganlage zur Stätte eines nationalbürgerlichen Denkmals. Die historische Bedeutung der Wartburg als Stammsitz der ruhmreichen Ludowinger und Schauplatz des berühmten Sängerkriegs im 13. Jahrhundert sowie als Wirkungsort der heiligen Elisabeth und des Reformators Martin Luther bot hinreichend Identifikationspotential, um diese zu einem Symbol für das Streben nach einer nationalen Vereinigung des damals stark zersplitterten Deutschland werden zu lassen.
Erste größere Baumaßnahmen fanden in den 1820er Jahren an den mittelalterlichen Burgruinen des Mittelrheintals statt. 1823 kaufte Prinz Friedrich von Preußen, ein Neffe König Friedrich Wilhelms III., die Ruine der Burg „Vogtsberg“, benannte sie aufgrund ihrer pittoresken Lage in „Rheinstein“ um und ließ sie bis 1829 durch die Architekten Johann Claudius von Lassaulx, Karl Friedrich Schinkel und Wilhelm Kuhn zu einer neugotischen viergeschossigen Wohnanlage mit dekorativen Ecktürmchen und Zinnenkranz ausbauen. Ähnlich verfuhr sein Vetter, der spätere preußische König Friedrich Wilhelm IV., mit dem Wiederaufbau der Burgruine Stolzenfels, die Karl Friedrich Schinkel zu einem romantischen Baukomplex mit lauschigen Innenhöfen und komfortablen königlichen Wohnräumen umfunktionierte. Das Einweihungsfest am 14. September 1842, das in historischen Kostümen und in Anwesenheit des preußischen Königspaars stattfand, verdeutlicht, wie weit neben dem rein künstlerischen Interesse an einer malerisch gelegenen Rheinburg die identifizierende Auseinandersetzung mit der Ära der mittelalterlichen Burgen ausgeprägt war.





