Den abenteuerlustigen Botaniker und Zoologen Georg Schweinfurth beschäftigten auf seiner Reise zu den südlichen Nilländern des Bahr-el-Ghasal in den Jahren 1868 bis 1871 nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch geographische, paläontologische und ethnische Aspekte des „Herzens von Afrika“. Sein Biograph Konrad Günther beschrieb ihn daher zu Recht als den letzten Wissenschaftler Humboldtscher Prägung. Auf der dreijährigen Reise gelangte Schweinfurth bis an die Ufer des Uelle im nordöstlichen Kongo-Becken und verzeichnete somit als erster korrekt die Wasserscheide zwischen Kongo und Nil. Neben diesem Durchbruch in der bis dahin weitgehend unbekannten Hydrogeographie Afrikas zählen zu seinen Leistungen die akribische Sammlung und Beschreibung teils noch unbekannter Pflanzen und Tiere sowie eine detaillierte Beobachtung einzelner Stämme und Völker. 1874 veröffentlichte der Forscher die gemachten Beobachtungen erstmals in einem Reisebericht, der ihm zu großer Bekanntheit in und außerhalb der internationalen Forschung verhalf.
Einer Neuauflage des bis heute in zahlreichen Auflagen und Editionen erschienenen Werkes hat sich der inzwischen verstorbene Wiener Afrikanist Herbert Gussenbauer gewidmet. Der von über 1 000 auf 300 Seiten gekürzte Text erzählt in chronologischer Anordnung von den Erlebnissen und Beobachtungen Schweinfurths, ergänzt durch zahlreiche, vom Autor selbst gezeichnete Illustrationen. Der Schwerpunkt der Darstellung verschiebt sich damit auf seine ethnologischen Beschreibungen. Schweinfurth ging dabei streng wissenschaftlich vor und schilderte respektvoll Aussehen, Leben und Sitten der Einwohner Zentralafrikas. Dennoch wird ersichtlich, dass auch er dem zeitgenössischen Kolonialdenken anhing. Zwar kritisierte er die diesen Völkern gegenüber praktizierte Unterdrückungspolitik und den Sklavenhandel. Gleichwohl propagierte er die Anwesenheit der Europäer zum Zwecke der Erziehung, um die Menschen aus ihrem seiner Ansicht nach unwürdigen Dasein zu befreien und ihnen die Segnungen der Zivilisation zu bringen.
Rezension: Daniel Tuttenuj





