In dem Jahrzehnt, das den Schlachten von Grandson und Murten vorausgegangen ist, hatte der burgundische Herzog einen fulminanten Aufstieg erlebt, der ihm sogar eine Königskrone zum Greifen nahe brachte. Kaum ein Fürst seiner Zeit entfaltete eine vergleichbare höfische Pracht, und ganz selbstverständlich sah er sich auf Augenhöhe mit Königen oder dem Kaiser – bis ihm auf einer Reihe von Feldzügen, den „Burgunderkriegen“, das Schlachtenglück abhanden kam und er ausgerechnet den Eidgenossen unterlag. Das Bündnis der acht Orte (Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zürich, Zug, Bern, Glarus) und seine Alliierten waren eigentlich keine adäquaten standesgemäßen Gegner. Einem Mailänder Botschafter gegenüber bezeichnete Karl sie gar als „tierische Völker“. Trotz dieser Geringschätzung behaupteten sich die Eidgenossen gegen ihn und positionierten sich als neue politische Macht in Europa.
Die Höhepunkte der Auseinandersetzung bildeten die beiden Schlachten von Grandson und Murten im Jahr 1476, die in einem für die Zeit außergewöhnlichen Maß kriegsentscheidend waren. Ihr politisch-militärisches Vorspiel begann aber schon vor den eigentlichen Burgunderkriegen, die man für gewöhnlich auf 1474 bis 1477 datiert. Auch wenn die Botschaft sicher ungelegen kam – ganz überrascht kann Karl der Kühne nicht gewesen sein, als ihn Ende 1474 die Kriegserklärung der Eidgenossen erreichte. Seit Jahren lag er mit den Reichsstädten am Oberrhein im Streit, insbesondere mit dem verschuldeten Mülhausen im Elsass. Damit riskierte er, dessen Interesse hier mit der Übernahme der habsburgischen Lande als Pfandschaft von Herzog Siegmund von Tirol im Jahr 1469 eingesetzt hatte, zugleich den Konflikt mit den Verbündeten seiner Gegner. Durch die Allianz mit dem Oberen Bund, der seit 1356 „achtortigen“ Eidgenossenschaft, griffen die Konflikte weit über den Oberrhein aus. Vor allem Bern hatte noch kurz zuvor mit Burgund beste diplomatische Kontakte gepflegt. Erst 1454 war Karls Vater Philipp der Gute auf dem Weg zum Regensburger Reichstag festlich empfangen worden, doch die Situation hatte umgeschlagen. Streit entstand vor allem wegen Karls Gouverneur Peter von Hagenbach, der in den Pfandlanden die Macht Burgunds mit Gewalt durchsetzte. Seine Rücksichtslosigkeit brachte die Bevölkerung auf, die ihm allerhand Übergriffe vorwarf, von der Knechtung seiner Unter‧gebenen bis hin zu Frauenraub und Vergewaltigung. Manches davon war zwar begründet, doch letztlich wurde Hagenbach zum Opfer der Differenzen zwischen zwei politischen Kulturen. Im Mai 1474 wurde er von den Vertretern des Niederen Bundes und ihren Verbündeten gefangen genommen und nach kurzem Prozess in Breisach hingerichtet.
Vorausgegangen war eine diplomatische Revolution: Die Gegnerschaft zu Burgund hatte die Eidgenossen zur Einigung mit Habsburg bewegt, also mit jener Dynastie, von der sie sich traditionell abgesetzt hatten. Schutzherr des Bündnisses war Karls Feind, der französische König Ludwig XI., dem der Umbruch der Allianzen lange Zeit als diplomatische Leistung hinter den Kulissen angerechnet wurde: Er habe die Eidgenossen als Gegner Burgunds aufgebaut und in den Krieg gelockt, weil er selbst das damit verbundene Risiko scheute und seine Abkommen mit Herzog Karl nicht brechen wollte. Die neuere Forschung betont dagegen die Rolle Berns: Die Verhältnisse am Rhein hätten den diplomatischen Wandel wohl nicht zustande gebracht, wären die Interessen der Aarestadt nicht auch an anderer Stelle bedroht gewesen.





