Papst Johannes XXIII. hatte mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils die katholische Kirche in Aufruhr versetzt. Aggiornamento, eine „Modernisierung“ der Kirche, war das Leitmotiv, unter dem er die Kardinäle und Bischöfe nach Rom gerufen hatte. Doch dem „guten Papst“, wie Angelo Giuseppe Roncalli auch genannt wurde, war es nicht vergönnt, die historische Bischofskonferenz, die im Oktober 1962 begann, bis zum Ende zu begleiten. Er starb am 3. Juni 1963 im Alter von 81 Jahren. Noch während des Konzils musste also ein neuer Papst gesucht werden.
Als das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers am 19. Juni zusammentrat, war bereits so gut wie sicher, dass auch der neue Papst ein Italiener sein würde. Denn die italienischen Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle bildeten 1963 mit 29 von insgesamt 80 Purpurträgern noch eine Sperrminderheit; die nötige Zweidrittelmehrheit konnte gegen sie nicht zustande kommen.
In der medialen Berichterstattung zum Konklave wurden als Favoriten zwei Namen besonders häufig genannt: Giovanni Lercaro, Erzbischof von Bologna, und Giovanni Battista Montini, Erzbischof von Mailand. Lercaro galt als profilierte Persönlichkeit mit starker sozialpolitischer Ausrichtung. Er war aber wohl vielen Kardinälen zu progressiv (in der Tat sollte ihn der neue Papst fünf Jahre später aus dem Amt drängen, weil er die amerikanischen Bombenangriffe in Vietnam scharf kritisiert und damit die päpstlichen Friedensbemühungen behindert hatte). Montini, in dem bereits Johannes XXIII. einen möglichen Nachfolger gesehen hatte und der sich als offen gegenüber einer gemäßigten Modernisierung der katholischen Kirche zeigte, machte schließlich klar das Rennen. Am 21. Juni wurde er im fünften Wahlgang zum Papst gewählt. Er nahm den Namen Paul VI. an. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 06/2013.
Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti





