In jüngster Zeit, das macht der Liverpooler Althistoriker und Archäologe Thomas Harrison, Herausgeber des Bandes „Imperien in der Antike“, in der Einführung deutlich, sind noch andere Gründe für das Interesse an antiken Imperien hinzugekommen: die Popularität imperialer Sujets in Film, Roman und Ausstellung, die Interessenverlagerung von der Ereignisgeschichte hin zur Geschichte der Fremd- und Eigenwahrnehmung der Reiche, ihrer Eliten und der übrigen Bewohner, auch historische Mythenbildungen der Gegenwart, die an antiken Reichsgründern orientiert sind, sowie Tendenzen der Global- bzw. Weltgeschichte. Schließlich gibt es – dank einer inzwischen oft erheblich erweiterten Quellenbasis – die Möglichkeit, kulturen- und epochenübergreifende Ver-gleiche mit Aussicht auf Tragfähigkeit zu versuchen, wie dies die englische Forschung vorgeführt hat.
Allerdings weniger dem vergleichenden Ansatz verpflichtet, stellen elf ausgewiesene englische und deutsche Fachleute zehn Großreiche der Antike vor, geben einen Einblick in deren Entstehungsbedingungen und Strukturen, stellen ihre jeweilige Umwelt vor und ergründen die Bedingungen für ihren Untergang. Zielgruppe ist dabei ein breiteres, akademisch gebildetes Lese‧publikum. So ist auch die reiche Bebilderung angeraten und sinnvoll. Stets wird versucht, die Quellen angemessen zu berücksichtigen und die Brücke zwischen Antike und Leser zu schlagen.
Behandelt werden das Neue Reich in Ägypten, das Hethiterreich, Assyrien und Babylonien, die iranischen Reiche der Achaimeniden, der Parther und der Sasaniden, die Reiche Alexanders und seiner Nachfolger, das Imperium Roma-num sowie frühe Reiche in Südasien und China. Auch wenn man in Einzelfragen anderer Meinung sein kann als die Verfasser und der Herausgeber, an der Qualität und Anschaulichkeit des Bandes ändert dies nichts. Er sei allen, die sich einen ersten Einblick in das Thema verschaffen möchten, zur Anschaffung empfohlen.
Rezension: Prof. Dr. Josef Wiesehöfer





