Als Generalmajor Mohamed Suharto die Macht in Indonesien übernahm, stand dem Land ein ungeheures Blutbad bevor. Mindestens eine halbe Million Menschen sollten den Todesschwadronen zum Opfer fallen. Die Schergen der neuen Herrscher drangen nachts in Häuser ein und fuhren mit menschlicher Fracht wieder davon. Rechtlos und hilflos ließ man die Entführten verhungern oder erschoss sie in der Wildnis. Im ganzen Land wurden Massengräber ausgehoben und mit namenlosen Toten gefüllt.
Gleichzeitig verkündeten die Medien, Suharto und seine Soldaten hätten das Land vor einer furchtbaren Gefahr gerettet – denn die Kommunistische Partei Indonesiens (PKI) sei kurz davor gewesen, die Herrschaft an sich zu reißen. Was später teilweise als reine Propaganda interpretiert wurde, hatte tatsächlich einen wahren Kern; trotzdem trug sich im Oktober 1965 alles ganz anders zu, als es die Schulbücher, Filme und patriotischen Reden der Folgezeit glauben machen wollten.
Im Indonesien der 1960er Jahre lag ein Konflikt zwischen der PKI und antikommunistischen Kräften im Militär in der Luft. Die Kommunisten hatten massiven Zulauf erhalten, ihre Partei galt als diszipliniert und effizient, und mancher Beobachter vermutete, dass Indonesien in den nächsten Jahren von ihnen regiert werden würde. Ein massives Bollwerk auf ihrem Weg zur Macht bildeten jedoch antikommunistische Generäle, die seit 1958 auch Unterstützung aus den USA erhielten.
In Washington beobachtete man das Erstarken der PKI bald mit großer Sorge. Während man gerade dabei war, sich in Vietnam auf einen gewaltigen Konflikt einzulassen, der verhindern sollte, dass Indochina kommunistisch wurde, schien ein deutlich größeres Land mit gewaltigem Rohstoffreichtum völlig widerstandslos dem US-Bündnissystem abhandenzukommen. Man brauchte Indonesien dringend, davon war man in Washington überzeugt – nicht zuletzt, um mit seinen Ressourcen Japan zu industrialisieren, das ohne Aufschwung ebenfalls nicht als sicherer Verbündeter galt.
Schon standen die Zeichen auf Sturm: Gewalttätige PKI-Demonstranten verübten Brandanschläge auf US-Konsulate, Arbeiter besetzten Plantagen und Ölquellen amerikanischer Firmen, und Indonesiens Präsident Achmed Sukarno machte nicht den Eindruck, als ob ihn das sonderlich stören würde. Sukarno, der Indonesien seit der Unabhängigkeit 1945 regierte, war bei seinen Landsleuten äußerst beliebt. Er war die Verkörperung des antikolonialen Kampfes und der nationalen Einheit. In Washington galt er als unbequem – unter anderem, weil er die PKI demonstrativ in seine Regierung integrierte.
Der Nationale Sicherheitsrat kam deshalb zu dem Schluss, dass eine antikommunistische Militärherrschaft in Indonesien den Zielen der USA viel eher entsprechen würde. Auch die Generäle in Jakarta schmiedeten bereits entsprechende Pläne. Sie wussten allerdings auch, dass sie Sukarno nicht offen herausfordern durften – dafür war er zu populär. Wollten sie gegen die von ihm geschützte PKI vorgehen, benötigten sie einen Vorwand, um selbst aktiv zu werden und sich anschließend als Retter präsentieren zu können. Sie hofften daher, dass die PKI etwas Unüberlegtes tun würde.





