Kaiserin Gisela starb am 15. Februar 1043 in Goslar, ihr Leichnam wurde nach Speyer überführt und am 11. März an der Seite ihres bereits 1039 verstorbenen Gemahls Konrad II. beigesetzt. Als im Jahr 1900 die Königs- und Kaisergräber im Speyerer Dom geöffnet wurden, fanden sich im Grab Giselas unter anderem die aus Kupfer gefertigte Grabkrone und eine bleierne Inschriftentafel, eine sogenannte Grabauthentik. Diese Bleiplatte trägt eine insgesamt 14-zeilige Inschrift, von der aber nur die ersten drei Zeilen und der Beginn der vierten Zeile deutlich eingraviert sind. Der sich anschließende Text wurde lediglich in einer Art Vorzeichnung eingeritzt und kann heute mit bloßem Auge kaum noch erkannt werden.
Dem damaligen Ausgräber Hermann Grauert war es nach eigenen Angaben jedoch noch möglich, den Text zu entziffern. Laut seiner Lesung haben an der Beisetzung der Kaiserin nicht nur ihr Sohn Heinrich III., sondern zahlreiche Bischöfe und Erzbischöfe teilgenommen. Sollte die Lesart Grauerts richtig sein, würde die Vermutung nahe liegen, dass sich die Anwesenheit der geistlichen Würdenträger in Speyer nicht auf die Bestattung Giselas bezog, sondern auf eine Teilweihe der liturgisch wichtigen Ostteile des Doms. Das Datum der Schlussweihe 1061 bleibt von der Untersuchung unberührt.
Um Gewissheit über den Text zu erlangen, wurde die Tafel in diesem Sommer im historischen Museum der Pfalz mit einem Streifenlichtscanner untersucht. Der Scanner ist in der Lage, selbst kleinste Unebenheiten, die für das menschliche Auge nicht mehr wahrnehmbar sind, zu erkennen und darzustellen, so dass Inschriften, die mittlerweile verloren scheinen, rekonstruiert werden können.
Zahlreiche Bischöfen auf der Gästeliste
Der bislang bereits lesbare Teil der Inschrift auf der Bleiplatte von Kaiserin Gisela lautet: „Im Jahr der Fleischwerdung des Herrn 999, am 11. November, ist die Kaiserin Gisela glücklich geboren worden, die Gattin Kaiser Konrads, die Mutter des sehr frommen Königs Heinrich III. Sie hat mit ihrem Mann in der Herrschaft vierzehn Jahre, neun Monate, 17 Tage gelebt, im Witwenstand aber drei Jahre …”
Dank des Scans sind nun auch die weiteren Zeilen lesbar: „… acht Monate und zehn Tage; dem Herrn dienend. Aus der Mühsal dieses Lebens ist sie im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1043, in der 11. Indiktion am 15. Februar selig zum Herrn eingegangen und am 11. März begraben worden von Bischof Sigibodo von Speyer in dieser Stadt, in Gegenwart ihres Sohnes Heinrich, in Anwesenheit und unter Mitwirkung des Erzbischofs Bardo von Mainz und seiner Suffraganbischöfe Azecho von Worms, Wilhelm von Straßburg, Eberhard von Konstanz, Burchard von Halberstadt, Rotho von Paderborn, Thietmar von Chur, Suidger von Bamberg, Gebhard von Eichstätt sowie der mit unterzeichnenden Bischöfe … [von Hildesheim?], [Gebhar]d III. von Regensburg, Fried[rich von Genf?]. Die Lesung des Ausgräbers Grauerts konnte damit in allen wichtigen Punkten bestätigt werden.





