Es war die Zeit des Terrors 1793. Während die Französische Revolution immer schneller ihre Kinder fraß, dachten einige Revolutionäre kulturpolitisch: Die Cembali, Harfen oder Violoncelli, die sie in den Häusern geflohener oder ermordeter Adliger vorgefunden hatten, sollten nun dem Volk gehören – als Keimzelle einer neuen französischen Musikkultur.
Von dieser Aufbruchstimmung gibt es noch Zeugnisse im Musée de la musique: etwa ein Gemälde, das den jungen Komponisten Étienne-Nicolas Méhul (1763–1817) zeigt, wie er in Paris versucht, den Menschen auf der Straße die Gesänge der Revolution beizubringen. Vor diesem Gemälde entdeckt der Besucher eine Tuba aus Messing: Sie wurde 1791 gespielt, als man die Asche des Philosophen Voltaire feierlich in den Pariser Panthéon überführte.
Doch wie sich Frankreich seit den Tagen der Revolution verändert hat, so hat sich auch die musikalische Sammlung gewandelt. Aus dem Vorhaben heißblütiger „Volksfreunde“ ist ein hochprofessionelles Haus geworden: Die Sammlung umfasst rund 9000 Musikinstrumente und Kunstwerke aus aller Welt, darunter einzigartige Stücke. Sie werden längst nicht mehr beschlagnahmt, sondern erworben.
In den Werkstätten des Museums erforscht man die Instrumente akribisch. In Tonstudios und im hauseigenen Konzertsaal werden sie gespielt. Zugleich erzählt das Museum davon, wie Menschen mit Musik umgehen: wie sie aufgeführt, wie sie gehört und konsumiert wird.
Davon erfährt man halbjährlich wechselnd in aufwendigen Sonderausstellungen, vor allem aber in der im Mai 2025 neu eröffneten Dauerausstellung. Auf vier Etagen wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Der Blick geht weit über Frankreich hinaus: auf die Musikkultur ganz Europas, aber auch auf diejenige Asiens, Ozeaniens, Afrikas und der beiden Teile Amerikas.
Schon der Eingangsbereich deutet die thematische Breite an: Hier stehen die Originalgitarre der Jazzlegende Django Reinhardt (1910– 1953), die schrille E-Gitarre „Flying V“ und das unförmige Violoncello, das französische Soldaten im Ersten Weltkrieg aus dem Holz von Munitionskisten bauten. Der Cellist Maurice Maréchal (1892–1964) spielte damit in Gefechtspausen für sie.
Doch die Darstellung setzt bereits um die Wende zum 16. Jahrhundert ein: mit der Geburt der Oper, illustriert am Beispiel von Claudio Monteverdis (1567–1643) „Orfeo“. Die Streichinstrumente dieser Zeit waren ebenso wegweisend wie der Rahmen, in dem bald darauf auf Schloss Versailles Musik aufgeführt wurde. Die Salons im benachbarten Paris versinnbildlichen die Musik im Zeitalter der Aufklärung – eine ganze Kollektion Harfen steht für sie ebenso wie ungemein aufwendig gebaute Cembali; Letztere markieren einen Sammlungsschwerpunkt des Museums.





