Normalerweise basieren die Funde in Pompeji auf gezielten Ausgrabungen an bestimmten Orten im Bereich der Stadt, die im Jahre 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde. Doch im aktuellen Fall handelt es sich um einen Zufallsfund im Rahmen von Bauarbeiten an dem Gebäude „San Paolino“ – dem neuen Sitz der Bibliothek des Archäologischen Parks von Pompeji. Bei Ausschachtungsarbeiten zur Konstruktion eines Elements zur Feuchtigkeitsisolierung des Kellers tauchten dort antike Strukturen auf.
Wie die anschließenden Grabungen zeigten, handelte es sich um ein Grabmal, das eine Form besitzt, die bereits von weiteren Funden im Raum Pompeji bekannt ist: An die Verstorbenen erinnert dabei eine halbkreisförmige Bankstruktur aus Tuffstein.

Charakteristisch ist für diese sogenannten “Schola-Gräber“ zudem ein Abschlusselement, das mit eingemeißelten Löwentatzen verziert ist. Das neue Grabmal konnte nun auf die Regierungszeit des Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) datiert werden kann.
Ein angesehener Bürger mit besonderem Titel
Wie aus der Inschrift auf der Bankstruktur hervorging, gehörte das Grabmal einem hochrangigen und reich betitelten Bewohner der Stadt namens Numerius Agrestinus. Die lateinische Inschrift besagt demnach sinngemäß: “Gewidmet dem Numerius Agrestinus, Sohn des Numerius, Equitius Pulcher, Militärtribun, Präfekt der Autrigonen, Präfekt des militärischen Ingenieurskorps, und zweimaliger Duumvir für die Gerichtsbarkeit der Stadt Pompeji. Dieser Bestattungsort wurde ihm durch ein Dekret des Stadtrates bestimmt”.
Wie der Archäologische Parks von Pompeji berichtet, stecken in dieser Inschrift gleich zwei Überraschungen: Die erste liegt in der Tatsache, dass dieselbe Person von einer anderen Grabinschrift in der pompejanischen Nekropole von Porta Nocera bekannt ist. Dort ließ die Ehefrau des Numerius Agrestinus, Veia Barchilla, ein zylindrisches Denkmal für sich und ihren Mann errichten. Doch offenbar beschloss der Stadtrat dennoch, dass Numerius Agrestinus mit einem Denkmal auf öffentlichem Grund in Pompeji geehrt werden sollte.
Das zweite überraschende Element betrifft den Titel “Praefectus Autrygonum”. Die Autrigonen waren ein Stamm aus den nördlichen Regionen der iberischen Halbinsel, wo Augustus von 29 bis 19 v. Chr. in die Kantabrischen Kriege verwickelt war, um die Besetzung des heutigen Spaniens zu vollenden. Das Besondere ist: Viele militärische Beamten-Posten sind namentlich bekannt – doch für einen Präfekten der Autrigonen gab es bisher keine historischen Belege, schreibt der Archäologische Parks von Pompeji.





