Bei den markanten, hochragenden Elementen von Stonehenge handelt es sich um Sandsteine, die aus der näherer Umgebung der weltberühmten Stätte stammen. Doch es kam auch ein weiteres Baumaterial zum Einsatz: Etwa zwei Tonnen schwere Dolerit-Steine, die wegen ihres Farbtons Blausteine genannt werden. Es ist bereits lange bekannt, dass sie einst von weit herangeschafft worden waren: aus den 240 Kilometer entfernten Preseli Hills in Wales. Die genaue Lage der einstigen Steinbrüche war jedoch bislang unbekannt.
Steinbrüche identifiziert
Das hat sich nun durch die Zusammenarbeit von britischen Archäologen und Geologen geändert: “Die Geologen konnten uns zu den exakten Stellen führen, wo die Steine für Stonehenge einst gebrochen worden waren”,sagt der Archäologe Mike Parker Pearson vom University College London. Es handelt sich um zwei Abbaustellen namens Craig Rhos-y-felin und Carn Goedog, die den Ursprung der beiden charakteristischen Versionen der Blausteinen in Stonehenge repräsentieren.
Den Archäologen zufolge boten diese Steinbrüche ideale Abbaubedingungen: Das Gestein bildet hier bereits natürlicherweise säulenartige Formen aus. “Die Arbeiter mussten nur Holzkeile in die Ritzen zwischen den Säulen schieben und dann erledigte der walisische Regen den Rest der Arbeit”, sagt Team-Mitglied Josh Pollard von der Universität Southampton. Das quellende Holz drückte die Steinsäulen aus dem Verband und anschließend konnten sie auf Plattformen gesetzt und abtransportiert werden.
Spannende Zeitdifferenz
Wann dies geschah, belegten Radiokarbondatierungen von Feuerholzresten am Fundort. “Wir haben Daten von rund 3400 v. Chr. für Craig Rhos-y-Felin und 3200 v. Chr für Carn Goedog”, berichtet Pearson. Es handelte sich dabei um ein erstaunliches Ergebnis, denn der Einsatz der Steine beim Bau in Stonehenge wird auf etwa 2900 v. Chr. datiert. “Ich halte es für wenig plausibel, dass es 500 Jahre gedauert hat, die Steinen nach Stonehenge zu schleppen”, so der Archäologe. “Wahrscheinlicher ist, dass sie zuerst für ein lokales Bauwerk verwendet wurden, irgendwo in der Nähe der Steinbrüche. Später wurden sie dann demontiert und nach Stonehenge gebracht”, vermutet Pearson.
Die Suche nach dem Vorgängerbau hat begonnen
Kate Welham von der Bournemouth University nimmt an, dass die Reste des demontierten Monuments irgendwo in der Gegend der beiden Steinbrüche liegen. Die Forscher geben sich in diesem Zusammenhang vielversprechend geheimnisvoll: “Wir haben bereits geophysikalische Untersuchungen, Probegrabungen und Luftbildanalysen in der gesamten Region durchgeführt, und wir glauben, wir haben die Stelle möglicherweise schon entdeckt. Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend – 2016 könnte eine große Entdeckung bringen”, sagt Welham.





