Zu Zeiten des „Wirtschaftswunders“ waren Arbeitskräfte in Deutschland knapp. 1955 schloß Deutschland ein Abkommen mit Italien. Hunderte Italiener kamen als Gastarbeiter nach Deutschland. Ihnen folgten andere Europäer. Bis zum Ende des Wirtschaftsbooms und der Ölkrise 1973 warb Deutschland in Italien, Spanien, Portugal, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei Arbeitskräfte an. Man ging davon aus, daß die Gastarbeiter nach einigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren würden, auch die Gastarbeiter selber hatten anfangs nicht die Absicht in Deutschland zu bleiben. Doch bald stellte sich heraus, daß kulturelle und soziale Aspekte die Menschen an ihre eigentlich nur vorübergehende Heimat banden. Viele der ehemaligen Gastarbeiter holten ihre Familien nach, eröffneten eigene Geschäfte auf und begannen sich ein neues Leben aufzubauen. Diesem Umstand verdanken wir die kulturelle Vielfalt, die sich heute in Deutschland nicht nur in der gastronomischen Landschaft zeigt. Aber „Fremdarbeiter“ gab es in Deutschland auch schon vor den „Wirtschaftswunderjahren“. Schon im Kaiserreich gab es ausländische Saisonarbeiter.
Der Landkreis Rastatt ging 1996 eine Partnerschaft mit der italienischen Provinz Pesato-Urbino ein. Daraufhin begab man sich in der ehemaligen badischen Residenzstadt auf Spurensuche. Und man stieß auf mehr Verbindungen zwischen dem Landkreis und Italien, als man anfangs angenommen hatte. So entstand 2002 der Band „Italienische Spuren im Landkreis Rastatt“, der die geschichtlichen Grundlagen der badisch-italienischen Beziehungen aufzeigt. Jetzt liegt dieser Band auch in italienischer Übersetzung vor (verlag regionalkultur, Heidelberg u.a., ISBN 3-89735-269-9). Mit über hundert, teilweise farbigen Abbildungen bietet er einen interessanten Überblick über die Verbindungen des Landkreises Rastatt mit Italien. Angefangen bei Domenico Egidio Rossi aus Fano. Der Architekt kam 1697 nach Rastatt und baute für den badische Markgrafen Ludwig Wilhelm das repräsentative Residenzschloß. Rossi plante auch den Wiederaufbau der, von französischen Truppen 1689 zerstörten Stadt. Er brachte aus seiner Heimat gleich die nötigen Fachleute mit: “Backsteinbrenner”, Stuckateure, Deckenmaler, Steinmetze und Maurer. In den folgenden Jahrhunderten kamen weitere Italiener als Handwerker oder Händler in die Region. Durch Heirat stiegen einige in das gehobene Bürgertum auf und wurden so Teil der einheimischen Bevölkerung. Anhand von Quellen werden die Lebenswege dieser Italiener in den verschiedenen Gemeinden des Rastatter Landkreises nachgezeichnet. In einem weiteren Kapitel werden die Ereignisse während des Nationalsozialismus beleuchtet, in der auch Italiener als Zwangsarbeiter in der deutschen Rüstungsindustrie arbeiten mußten. Bis zur Kapitulation des faschistischen Italien am 8. September 1943 kamen Tausende dem ausdrücklichen Wunsch nach einer Beschäftigung von italienischen Arbeitern in Deutschland nach und gingen eine freiwillige Arbeitsverpflichtung ein. Nach 1943 wurden aber auch Italiener, genauso wie zahlreiche Angehörige anderer Nationen, als Zwangsarbeiter in Deutschland festgehalten. Schließlich befaßt sich der Band auch mit den Gastarbeitern der 1960er Jahre und endet mit mehreren Zeitzeugenberichten.





