Der Landkreis Rastatt ging 1996 eine Partnerschaft mit der italienischen Provinz Pesato-Urbino ein. Daraufhin begab man sich in der ehemaligen badischen Residenzstadt auf Spurensuche. Und man stieß auf mehr Verbindungen zwischen dem Landkreis und Italien, als man anfangs angenommen hatte. So entstand 2002 der Band „Italienische Spuren im Landkreis Rastatt“, der die geschichtlichen Grundlagen der badisch-italienischen Beziehungen aufzeigt. Jetzt liegt dieser Band auch in italienischer Übersetzung vor (verlag regionalkultur, Heidelberg u.a., ISBN 3-89735-269-9). Mit über hundert, teilweise farbigen Abbildungen bietet er einen interessanten Überblick über die Verbindungen des Landkreises Rastatt mit Italien. Angefangen bei Domenico Egidio Rossi aus Fano. Der Architekt kam 1697 nach Rastatt und baute für den badische Markgrafen Ludwig Wilhelm das repräsentative Residenzschloß. Rossi plante auch den Wiederaufbau der, von französischen Truppen 1689 zerstörten Stadt. Er brachte aus seiner Heimat gleich die nötigen Fachleute mit: “Backsteinbrenner”, Stuckateure, Deckenmaler, Steinmetze und Maurer. In den folgenden Jahrhunderten kamen weitere Italiener als Handwerker oder Händler in die Region. Durch Heirat stiegen einige in das gehobene Bürgertum auf und wurden so Teil der einheimischen Bevölkerung. Anhand von Quellen werden die Lebenswege dieser Italiener in den verschiedenen Gemeinden des Rastatter Landkreises nachgezeichnet. In einem weiteren Kapitel werden die Ereignisse während des Nationalsozialismus beleuchtet, in der auch Italiener als Zwangsarbeiter in der deutschen Rüstungsindustrie arbeiten mußten. Bis zur Kapitulation des faschistischen Italien am 8. September 1943 kamen Tausende dem ausdrücklichen Wunsch nach einer Beschäftigung von italienischen Arbeitern in Deutschland nach und gingen eine freiwillige Arbeitsverpflichtung ein. Nach 1943 wurden aber auch Italiener, genauso wie zahlreiche Angehörige anderer Nationen, als Zwangsarbeiter in Deutschland festgehalten. Schließlich befaßt sich der Band auch mit den Gastarbeitern der 1960er Jahre und endet mit mehreren Zeitzeugenberichten.
Mit dem Buch will der Landkreis Rastatt vor allem auf die engen Verknüpfungen zwischen der Region und Italien hinweisen und die Beziehungen zu den italienischen Partnerregionen und Städten weiter ausbauen. Nicht zuletzt spiegelt es auch einen Teil deutscher-italienischer Geschichte wieder.
Rezension: Marohn, Mariel





