Gängiger Annahme nach markierte die neolithische Revolution nicht nur den Beginn der Landwirtschaft und der sesshaften, bäuerlichen Lebensweise. Mit dem Beginn der Jungsteinzeit entwickelten sich die frühen Kulturen sprunghaft weiter. Das Zusammenleben in festen Siedlungen förderte die Entwicklung komplexer Gesellschaften und neuer sozialer, kultureller und technologischer Strukturen: “Traditionell assoziieren archäologische Narrative die Bildung sozial und politisch komplexer Gesellschaften erst mit dem Aufkommen der Landwirtschaft”, erklären Henny Piezonka von der Freien Universität Berlin und ihre Kollegen. Auch komplexere architektonische Strukturen wie größere Siedlungen und Festungen wurden meist erst ab der Jungsteinzeit nachgewiesen.

8000 Jahre alte Festung mit Gräben und Palisaden
Doch jetzt zeichnen Ausgrabungen in der sibirischen Taiga ein ganz anderes Bild. Piezonka und ihre Kollegen haben dort, zwischen dem Ural und dem Fluss Jenissei, gleich mehrere von steinzeitlichen Jägern und Sammlern erbaute Siedlungen entdeckt. “Allein acht verschiedene Steinzeit-Siedlungen dieser Art sind bisher bekannt”, berichten die Forschenden. Eine dieser befestigten Siedlungen ist Amnaya I, eine Steinzeit-Festung, die auf einem Sandstein-Vorsprung über einer sumpfigen Flussebene lag. Die Ausgrabungen enthüllten dort neben den Fundamenten von zehn größeren Gebäuden auch Reste einer Holzpalisade und mindestens drei Wallgräben. Die Bauweise der Häuser spreche dafür, dass es sich hier um länger genutzte Behausungen handelte. Davon zeugen auch Relikte von mindestens 45 Tongefäßen, die in Amnaya I gefunden wurden.
Das Überraschende jedoch: Radiokarbon-Datierungen zufolge sind die Bauten von Amnaya I schon rund 8000 Jahre alt. “Dies weist sie als das älteste bekannte Fort der Welt aus”, sagt Piezonka. Als erstes wurden in Amnaya I die Holzpalisade und einer der Gräben gebaut, später kamen dann die größeren Gebäude im Innenraum, weitere Gräben und eine zweite Palisade dazu. Rund 50 Meter von Amnaya I entfernt entdeckten die Archäologen noch eine zweite, nicht befestigte Siedlung. Diese Amnaya II getaufte Anlage umfasst ebenfalls rund zehn Häuser und stammt etwa aus der gleichen Zeit wie die vorgelagerte Festung. “Die Datierungen sprechen dafür, dass dieser Komplex in eine befestigte ‘Zitadelle’ und einen vorgelagerten ‘Burghof’ gegliedert war”, berichten die Archäologen.





