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Jagd mit Giftpfeilen gab es schon vor 60.000 Jahren
Geschichte & Archäologie

Jagd mit Giftpfeilen gab es schon vor 60.000 Jahren

Die Jagd mit in Gift getränkten Pfeilen hat eine lange Tradition. Wie lange es diese toxische Jagdtechnik schon gibt, ist jedoch noch unklar. Jetzt haben Archäologen in Südafrika die frühesten Belege für Giftpfeile entdeckt. In einem steinzeitlichen Felsunterstand fanden sie Quarz-Pfeilspitzen, die Spuren eines…
Autor
Nadja Podbregar
08. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Während Neandertaler und andere Frühmenschen vorwiegend mit Speeren und Speerschleudern jagten, nutzten die frühen Vertreter unserer Spezies, des Homo sapiens, eine neue Technik: Sie jagten ihre Beute mit Pfeil und Bogen. Dies verlieh ihnen eine größere Reichweite und ihren Waffen eine größere Durchschlagskraft. Die ältesten Funde von Pfeilspitzen stammen aus Südafrika und sind rund 70.000 Jahre alt. Für die Anfertigung der kleinen, filigranen Steinspitzen waren fortgeschrittene Abschlagstechniken nötig. Die ersten Belege für die Nutzung von Pfeil und Bogen in Europa stammen aus der Zeit vor rund 54.000 Jahren in Südfrankreich. Dort haben Archäologen Steinspitzen entdeckt, deren Machart, Größe und Gebrauchsspuren nahelegen, dass sie einst auf Pfeilen montiert und zur Jagd verwendet wurden.

“Bemerkenswerte Innovation bei der Beutejagd”

Noch weiter steigern lässt sich der Jagderfolg allerdings, wenn die Pfeilspitzen mit Gift versetzt werden, wie noch heute bei einigen Naturvölkern gebräuchlich. Wird ein Tier von einem solchen Giftpfeil getroffen, reicht schon eine kleine Wunde, um es zu töten. “Die Nutzung von vergifteten Jagdwaffen repräsentierte eine bemerkenswerte Innovation bei der Beutejagd”, erklären Sven Isaksson von der Universität Stockholm und seine Kollegen. Wann Menschen jedoch zum ersten Mal solche Giftpfeile erstellten und einsetzten, ist unklar.

Die bisher ältesten eindeutigen Belege für vergiftete Pfeilspitzen stammen aus der Nacheiszeit: In einem rund 4400 bis 4000 Jahren alten ägyptischen Grab haben Archäologen Knochen-Pfeilspitzen mit Rückständen toxischer Glycoside gefunden, noch etwas älter sind rund 6700 Jahre alte Knochen-Pfeilspitzen mit Giftresten aus einer Höhle in Südafrika. “Für das Pleistozän waren Hinweise auf den Einsatz von Gift bei der Jagd bisher auf zwei Funde aus der Border Cave in Südafrika begrenzt: einen etwa 24.000 Jahre alten ‘Giftapplikator’ und einen rund 35.000 Jahre alten Klumpen Bienenwachs mit Giftspuren”, berichten Isaksson und sein Team.

60.000 Jahre alte Steinspitzen mit Pflanzengift

Jetzt verschieben neue Funde aus Südafrika die Nutzung von Giftpfeilen deutlich weiter in die Vergangenheit. Das Team um Isaksson hat in einem steinzeitlichen Felsunterstand im südafrikanischen KwaZulu-Natal rund 60.000 Jahre alte Pfeilspitzen aus Quarz entdeckt, auf denen noch Rückstände eines pflanzlichen Gifts nachweisbar waren. Chemische Analysen zeigten unter anderem die Präsenz des giftigen Alkaloids Buphandrin auf den Pfeilspitzen. “Buphandrin auf fünf der zehn untersuchten Steinspitzen zu finden, kann kein bloßer Zufall sein”, schreiben die Archäologen. Die Analysen legen nahe, dass dieses Gift von der Pflanze Boophone disticha – auch bekannt als Gifbol („Giftzwiebel“) – stammt. Sie wird auch heute noch von traditionellen Jägern in der Region verwendet.

Diese Funde sind damit die frühesten Zeugnisse einer Jagd mit vergifteten Pfeilen. „Dies ist der älteste direkte Beweis dafür, dass Menschen Pfeilgift verwendeten. Es zeigt, dass unsere Vorfahren im südlichen Afrika nicht nur Pfeil und Bogen viel früher erfanden als bisher angenommen, sondern auch verstanden, wie man die Chemie der Natur nutzt, um die Jagdeffizienz zu steigern“, sagt Seniorautorin Marlize Lombard von der Universität Johannesburg.

Interessant auch: Das von den Steinzeitjägern vor 60.000 Jahren verwendete Pflanzengift wirkt nicht instantan. Stattdessen waren die leichten, kleinen Giftpfeile darauf ausgelegt, die Haut zu durchbohren und das Gift in die Blutbahn des Tieres zu bringen. “Verwundete Tiere konnten normalerweise noch mehrere Kilometer weiterlaufen und wurden dabei von den Jägern verfolgt – manchmal mehr als einen Tag lang”, schildern die Archäologen die Jagdpraxis. Damit belegt der Fund, dass diese frühen Jäger nicht nur technische Fähigkeiten besaßen, sondern auch verstanden, dass ihr Gift erst über längere Zeit wirken musste. „Die Verwendung von Pfeilgift erfordert Planung, Geduld und ein Verständnis von Ursache und Wirkung. Es ist ein deutliches Zeichen für fortgeschrittenes Denken bei frühen Menschen“, sagt Co-Autor Anders Högberg von der Linnaeus-Universität in Schweden.

Quelle: Universität Stockholm; Fachartikel: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.adz3281

GiftpfeilPfeilgiftPfeilspitzeSteinzeit

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