Direkt nach seiner Entdeckung wurde das Fragment durch Textilrestauratoren der Abegg-Stiftung in Riggisberg (Schweiz) untersucht. Die Ergebnisse stützen die Aussagen der Inschrift – Bindung und Material sprechen für eine Datierung in das 14. bis 15. Jahrhundert. Die bescheidene Qualität und die natürliche Farbe, offenbar beließ man ganz einfach die Farbe der verwendeten Schafwolle, deuten auf den Kontext der Bettelorden dieser Zeit hin. Das passt auch zu dem Prediger Jan Hus, der in der Prager Bethlehemkirche in tschechischer Sprache für die Kirchenarmut warb. Kaum zu glauben, dass ein Stück seines Umhangs die Verbrennung überstanden haben kann. Die Inquisition wählte die grausame Hinrichtung ja gerade zu dem Zweck, alle potenziellen Reliquien, alles, woran sich eine Verehrung Hussens hätte entzünden können, zu vernichten. So soll der Henker angewiesen worden sein, explizit auch die Kleidung und den Gürtel des Verbrannten einzuäschern und alles ohne Spuren im Rhein zu versenken. Vor diesem Hintergrund ist die Entdeckung in Colmar mehr als spektakulär.
Und sie kommt im rechten Augenblick, denn 2014 widmet sich die große Landesausstellung dem „Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414-1418“. Bis dahin wollen die Forscher unter Leitung von Dr. Karin Stober dem kleinen Stoff seine wahre Herkunft entlocken. Wie das Mantelfragment von Konstanz nach Colmer gelangte, ist bisher noch ungeklärt. Genau wie die Frage, ob es tatsächlich zur Kleidung des Jan Hus gehörte. Brandspuren jedenfalls seien nicht daran zu finden, teilte Frau Dr. Stober mit. Der Henker hat seine Aufgabe, alle Reste auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, wohl erfüllt. Der gerahmte Stoff beweist indes, wie schnell sich die Verehrung des böhmischen Reformators ausbreitete. Dabei bestand auch der Wunsch nach dinglicher Versinnbildlichung, vergleichbar mit dem „Reliquienkult“, der nach dem Tod Martin Luthers einsetzte. Hinsichtlich der religiösen Nachwirkung ist der Stoff in jedem Fall authentisch.





