Die Ausstellung bietet auf Grundlage zahlreicher bisher unveröffentlichter Dokumente erstmals einen vergleichenden Einblick in die jüdische Geschichte zweier deutscher Regionen. Sie geht dabei zunächst der Frage nach, wie sich das Zusammenleben zwischen Christen und Juden in den beiden Gebieten entwickelte und wie Nationalsozialisten es bereits seit den 1920er Jahren bedrohten.
Im niedersächsischen Raum bestanden zahlreiche traditionsreiche jüdische Landgemeinden, so zum Beispiel in Ostfriesland. Anziehungspunkt jüdischen Lebens wurde jedoch die Provinzhauptstadt Hannover, die um 1930 zu den zehn größten jüdischen Gemeinden Deutschlands zählte. Das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in der Provinz Hannover wurde schon um 1890 durch antisemitische Parteien gestört.
In Ostpreußen war das Zentrum des jüdischen Lebens die Hauptstadt Königsberg, in der sich bis zum Ersten Weltkrieg der Liberalismus als politische Bewegung behauptete – länger als in anderen Teilen des Deutschen Reiches. Sie wurde vor allem von christlichen und jüdischen Kaufleuten getragen. Antisemitismus als politische Bewegung fand wenige Anhänger.
Die Ausstellung verdeutlicht, dass die Verfolgung und spätere Ermordung der Juden ähnlichen Mustern folgte. Beide Provinzen waren annähernd gleich groß, hatten kulturell und historisch bedeutende Hauptstädte. Dargelegt wird die Situation der jüdischen Gemeinden bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und ihre Verfolgung durch das neue Regime, die sogenannte Kristallnacht und die Auslöschung bis 1945. Die komplett zweisprachige Ausstellung (deutsch und russisch) soll einen grenzüberschreitenden Beitrag zur gemeinsamen, deutsch-russischen Aufarbeitung der jüngsten Geschichte in Mitteleuropa leisten und ist daher zeitgleich in Lüneburg und Kaliningrad zu sehen.
Das Titelthema des Dezemberhefts von DAMALS „Juden in Deutschland – zwischen Emanzipation und Ausgrenzung“ beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Themenfeld.





