Ausgerechnet Offiziere, die doch als Vorbild für Sitte, Anstand und Moral zu gelten hatten, schienen besonders angezogen zu sein von diesem anzüglichen Tanz aus Argentinien, diesem „Bordellreptil, das in den moralischen Niederungen der Gesellschaft geboren wurde!“, wie ein australischer Literat sich empörte.
Mochten auch die Herren Militärs vor allem eine eindrückliche Demonstration von „Eleganz und Körperbeherrschung“ mit dem Tango verbinden, nahmen sie ihn fast sportlich, wenn sie die Damen beim Tango in eine tiefe Rückwärtsbeuge warfen, wobei sie ihr Knie zwischen deren Oberschenkel drängten, was von seiten der Dame ein bis zur Hüfte geschlitztes Kleid voraussetzte – der Tanz erregte beim Kaiser Anstoß. In einem Erlaß verbot er am 20. November 1913 seinen Offizieren, in Uniform Tango zu tanzen, denn das „führt den deutschen Offizier auf Irrwege“. Doch die Vorstellung, daß ein Verbot gegen das Tangofieber immun macht, war selbst irrig – bald wurde der Erlaß wieder aufgehoben.





