In der von Decimus Magnus Ausonius um das Jahr 390 verfaßten „Rangfolge der vornehmsten Städte“ (Ordo urbium nobilium) des Römischen Reiches wird, beginnend mit dem auch in der Spätantike noch als caput mundi geltenden Rom, als erste der gallischen Städte Trier schon an sechster Stelle genannt – jene Stadt, in die Ausonius, der aus Bordeaux stammende Lehrer der Beredsamkeit, von Kaiser Valentinian I. um 365 als Erzieher seines Sohnes Gratian berufen worden war: „Längst will Gallien schon, das so waffengewaltige, gerühmt sein, auch der Thron der Trevererstadt, die, obgleich ganz nahe dem Rhein, sicher wie im Schoße des tiefsten Friedens ruht, denn sie nährt, denn sie kleidet und waffnet des Reiches Kräfte. Weit dehnen sich vor gestreckter Höhe die Mauern hin, breit zieht in ruhigem Fluß die Mosel vorbei, mit fernen Waren der alles erzeugenden Erde beladen.“
Mit diesen blumigen Worten rühmte Ausonius die Stadt an der Mosel in ihrer glanzvollsten Periode am Ende des 4. Jahrhunderts. Noch herrschte Frieden und wirtschaftlicher Erfolg, ehe wenige Jahrzehnte später in den Wirren der Völkerwanderung der Ruhm vergehen sollte. Doch wie kam es zu dieser Ehrenstellung Triers? Unter Augustus gegründet, erlebte die Augusta Treverorum dank der günstigen Verkehrsbedingungen auf der schiffbaren Mosel und den gut ausgebauten römischen Straßen mit ihren wichtigen Nord-Süd-Verbindungen zum Rhein einen raschen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg, so daß schon im 1. Jahrhundert der römische Geograph Pomponius Mela Trier eine urbs opulentissima nennen konnte.
Es verwundert daher nicht, daß bereits im Lauf des 2. Jahrhunderts eine Ausweitung des Stadtareals auf eine Fläche von rund 285 Hektar erfolgte, nunmehr gesichert von einer 6,4 Kilometer langen turmbewehrten Stadtmauer mit mehreren repräsentativen Toren, von denen heute noch das Wahrzeichen der Stadt, die sogenannte Porta Nigra, als eines der besterhaltenen römischen Stadttore überhaupt ein eindrucksvolles Zeugnis gibt. Es entstanden eine repräsentative Thermenanlage (Barbara-Thermen), ein Amphitheater, ein Circus und weitere Großbauten neben zahlreichen Tempeln und Heiligtümern; auch das regelmäßige Straßensystem wurde entsprechend ausgebaut. Im Norden und Süden lagen vor der Stadtmauer ausgedehnte Gräberfelder mit monumentalen Grabdenkmälern, die vom Reichtum ihrer Inhaber kündeten.
Noch während dieser Ausbauphase der Stadt änderten sich jedoch die für das Trierer Land bis dahin weitgehend friedlichen Verhältnisse: Immer wieder durchbrachen germanische Stämme die Rheingrenze, und als schließlich die rechtsrheinischen Gebiete verlorengegangen waren, wurde die Situation auch für Trier immer bedrohlicher, zumal mit der allgemeinen Reichskrise auch ein wirtschaftlicher Niedergang einsetzte. In dieser unsicheren Situation gründeten römische Heerführer in der Mitte des 3. Jahrhunderts das sogenannte gallische Sonderreich, dessen Hauptresidenz wohl Trier gewesen ist, das, im Gegensatz zu Köln, in einigermaßen sicherer Entfernung zur unmittelbar gefährdeten Rheingrenze lag, andererseits aber nahe genug, um auf feindliche Überfälle reagieren zu können. Mit der Beseitigung dieses „Sonderreichs“ durch Rom wurde die Gefahr der Germaneneinfälle wieder größer. In den Jahren 275/76 durchbrachen Franken und Alamannen die Rheingrenze, zogen plündernd tief nach Gallien und verschonten auch Trier nicht, wie dicke Brand- und Zerstörungsschichten in den Grabungsbefunden belegen.





