Das Bild, aufgenommen 1870 in Detroit (USA), hat etwas Abscheuliches und würde – geschähe heute, was es zeigt – wohl eine gewaltige Protestwelle auslösen. Massenhaft Bisonschädel wurden vielerorts zu Pyramiden aufgeschichtet. Auf deren Spitzen warfen sich Wilderer in Heldenpose – dabei hatten sie die Tiere aus sicherer Distanz einfach abgeknallt. Die Knochenpyramiden waren eine Art Rohstofflager zur Erzeugung von Düngemittel.
Bevor der „weiße Mann“ Ende des 18. Jahrhunderts die nordamerikanische Prärie betrat, gab es nach Expertenschätzungen rund 30 Millionen Bisons. Rund 100 Jahre später war die Population mit 456 Exemplaren nahezu ausgerottet.
Die indigenen Stämme schossen nicht mehr Büffel, als sie zum Leben brauchten; die Natur gebot ihnen, mit ihrer Lebensgrundlage schonend umzugehen. Derlei Bedenken hatten die Heerscharen weißer Kolonialisten nicht. Sie nahmen oder vielmehr: stahlen sich das Land der Ureinwohner, um es zu besiedeln und zu bewirtschaften. Die Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahn 1869 galt damals als Höhepunkt des industriellen Fortschritts. Für die Ureinwohner beschleunigte er lediglich den Untergang.
Die Eroberer wähnten sich völlig im Recht: Es war gesetzlich erlaubt, die indigene Bevölkerung zu vertreiben und – vor allem bei Widerstand – skrupellos abzuschlachten. Von dem legendären General Phil Sheridan, der ihre Zeltdörfer reihenweise niederbrennen ließ, ist die „Erkenntnis“ überliefert: „Die einzig guten Indianer, die ich jemals sah, waren tote Indianer.“ Wenige Jahre später, Ende 1890, brach das 7. Kavallerieregiment der US-Armee in South Dakota endgültig den Widerstand – beim letzten Massaker am Wounded Knee, dem rund 300 Indigene, darunter viele Familien, zum Opfer fielen.
Zwischen Anfang und Ende des 19. Jahrhunderts wurde die indigene Bevölkerung von schätzungsweise fünf bis sieben Millionen auf rund 250 000 Menschen dezimiert. Der Großteil starb an Krankheiten, die der „weiße Mann“ eingeschleppt hatte, der Rest durch Krieg und Vertreibung. Die Überlebenden wurden in Reservate gepfercht. Ihre Nachkommen leiden bis heute unter Armut, Alkoholsucht und Diskriminierung.
Und wie geht es dem Bison? Der ist nach wie vor das wichtigste Geschöpf im Ökosystem einer Prärie. Ohne den kraftstrotzenden Landschaftsgestalter gäbe es unzählige Tier- und Pflanzenarten nicht. Umweltschützer und indigene Aktivisten bemühen sich gemeinsam, in Reservaten aufgezogene Büffel in den Great Plains auszuwildern. Eine Wiedergeburt des „Wilden Westens“ wird daraus wohl nicht werden.





