Die Teilungen des Frankenreichs im 6. Jahrhundert hatten zu den Teilreichen Austrien, Neustrien und Burgund geführt. Durch die zunehmende politische Schwäche der merowingischen Könige waren die Hausmeier, die obersten Amtsträger am Königshof, aufgestiegen und entmachteten die Könige mehr und mehr. In Au-strien machte das Geschlecht der pippinisch-arnulfingischen Hausmeier von sich reden, aus denen auch Karl Martell hervorging. Sein Vater Pip-pin II. (der Mittlere) herrschte faktisch über Austrien und Neustrien. Karl Martell aber war von der Herrschaftsnachfolge ausgeschlossen, da er aus einer zweiten Ehe stammte. Und Plektrud, die Witwe Pippins, agierte zugunsten ihres Enkels Theodoald offen gegen Karl. Theodoald gelang es jedoch nicht, seine Interessen in Neustrien zu wahren und sich gegen den neustrischen Hausmeier Raganfrid und den von ihm eingesetzten König Chilperich II. zur Wehr zu setzen. Gemeinsam rückten diese 716 plündernd nach Austrien vor. Unterdessen war es Karl Martell gelungen, Plektrud zur Anerkennung seiner Rechte als legitimer Erbe zu zwingen. Nun konnte er sich der Bedrohung durch seine Gegner stellen: Im März 717 schlug er Chilperich II. und Raganfrid bei Vichy, ein Jahr später noch einmal bei Soissons. Karl Martell war danach nicht nur unangefochten Hausmeier von Austrien und Neustrien, er erkannte auch das Königtum seines Gegners Chilperich II. an. Damit festigte er seine eigene Herrschaft und ebnete seinen Nachkommen, die nach ihm Karolinger benannt wurden, den Aufstieg zum Königtum.





