Wie ein Lauffeuer hatten sich die Nachrichten verbreitet und bald auch das entlegene Bethlehem erreicht. Dort suchte der Kirchenvater Hieronymus Trost an seinem Schreibtisch, ohne aber wirklich Halt finden zu können: „Die Stimme stockt, und Schluchzer unterbrechen die Worte beim Diktieren; eingenommen ist die Stadt, die den ganzen Erdkreis eingenommen hat“, klagte er und blickte mit Grausen darauf, dass „das strahlendste Licht aller Länder ausgelöscht, ja sogar des Römischen Reiches Haupt abgeschlagen und … in einer Stadt der gesamte Erdkreis zugrunde gegangen“ sei.
Die römische Welt war zutiefst erschüttert: Erstmals seit gut 800 Jahren hatten Barbaren die Stadt Rom eingenommen. Am 24. August 410 war es dem terwingischen Goten Alarich gelungen, in das Zentrum der antiken Welt einzudringen. Drei Tage lang durften seine Truppen die Tiberstadt plündern, bevor sie sich am 27. August in Richtung Süden zurückzogen. Schon Zeitgenossen rätselten, wie es überhaupt so weit hatte kommen können, und noch heute wirft diese Frage erregte Kontroversen auf. …
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Prof. Dr. Mischa Meier





