Bereits seit 2008 graben Archäologen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz am Kapellenberg. Ihren Ergebnissen zufolge, war die Wallanlage um 4100 v. Chr. als Palisaden-Befestigung begonnen worden und erhielt nach 3600 v. Chr. ihren letzten, heute noch sichtbaren Ausbau. Die Befestigung wird der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur zugeordnet (4300-3500 v. Chr.). Es handelte sich beim Kapellenberg um einen strategisch günstigen Ort: Er lag an einem jungsteinzeitlichen Fernwegenetz, über das Güter zwischen Mitteldeutschland sowie West- und Südfrankreich transportiert wurden. Auch die Römer schätzten die Lage – davon zeugen die Überreste eines frührömischen Wach- und Beobachtungsturms. Im 17. Jahrhundert wurde schließlich eine Kapelle errichtet, die zur heutigen Namensgeberin des Berges wurde.
Blick in die Siedlungsgeschichte
Im Inneren der Wallanlage hatte sich in der Frühsteinzeit eine Siedlung mit vielleicht hunderten von Häusern befunden, legten die bisherigen Grabungsergebnisse nahe. Fraglich war jedoch, ob diese während der gesamten Existenz der Befestigung bestand oder nur in einem kürzeren Zeitraum. Auch war die Dichte der Besiedlung unklar. Diesen Fragen widmete man sich bereits 2013 und 2014 durch Untersuchungen einer Fläche, die sich nahe des Meisterturmes befindet – einem stählernen Aussichtsturm aus dem Jahr 1929. Den Ergebnissen zufolge gab es in diesem Bereich nur eine Besiedlung zwischen 3700 und 3600 v. Chr. Die Archäologen wollen nun herausfinden, ob das auch für andere Abschnitte der Wallanlage gilt.
Dazu wurden im vergangenen Winter und Frühjahr verschiedene Flächen mit geomagnetischen Methoden untersucht. Dabei stießen die Archäologen auf Anomalien im Boden, bei denen es sich ihnen zufolge um vielversprechende Grabungsziele handelt. Sie befinden sich in der Nähe der Überreste des frührömischen Wach- und Beobachtungsturms. Die Arbeiten sollen nun am 7. September losgehen. Die Forscher hoffen Keramikfragmente und Holzkohle zu finden, deren Datierung Anhaltspunkte zur Dauer der frühsteinzeitlichen Besiedlung geben könnten. „Wer sich für unsere Arbeit am Kapellenberg und ihre Ergebnisse interessiert, ist zur öffentlichen Führung über das Grabungsgelände am 19. September willkommen”, sagt Grabungsleiter Detlef Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum.





