Datierung lange Zeit umstritten
Die genaue Datierung dieses Bauwerks war lange umstritten. Die sogenannten Reichsannalen – ein Jahrbuch wichtiger Ereignisse im Karolingerreich – berichten, dass Karl der Große im Herbst 793 die Baustelle des Karlsgrabens besucht hat. Andere zeitgenössische Quellen wie die sogenannten Alemannischen Annalen schildern, dass der Bau bereits 792 durch Karl den Großen angeordnet wurde. Daraus erwuchs eine lange Forschungsdiskussion, wann und unter welchen politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen der Baubeginn erfolgte und wie lange der Bau gedauert hat. In dieser sind die Wissenschaftler nun nach vielen Jahren kontroverser Diskussion ein gutes Stück weiter.
Jahresringe geben Auskunft
Insgesamt konnten mehr als zwei Dutzend Hölzer anhand ihrer Jahrringfolgen jahrgenau oder sogar jahreszeitengenau datiert werden. Durch ihre Datierung konnte die Schilderung in den Schriftquellen, dass der Befehl zum Bau des Kanals bereits 792 erfolgt ist, als deutlich zuverlässiger eingestuft werden. „Der spektakulären Bergung und Datierung der Eichenpfähle des Kanalufers so weit im Norden gingen das Sichtbarmachen des Kanalverlaufs und die Berechnung des Kanalquerschnitts mit Hilfe der SQUID-Magnetik voraus”, erklärt der beteiligte Physiker des Leibniz-Instituts für Photonische Technologie in Jena, Sven Linzen. Die SQUID-Magnetik wird in der Archäologie eingesetzt, um unterirdische Strukturen anhand der Änderung des Erdmagnetfeldes aufzuspüren.
Seit 2012 arbeiten Wissenschaftler der Universitäten Jena, Leipzig und Kiel, des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena sowie des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege gemeinsam an dem Projekt. Es ist Teil des Schwerpunktprogramms „Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter” der Deutschen Forschungsgemeinschaft.





