Als Karl 1467 durch den Tod seines Vaters endgültig ans Ruder kam, war er schon Mitte 30 und hatte ganz große Pläne. Ein zeitgenössischer Chronist zitierte ihn mit dem Satz: „Es gibt nur drei Herren auf der Welt: Gott im Himmel, Luzifer in der Hölle und den Herrn auf Erden – der werde ich sein.“ Selbst wenn er das nicht gesagt haben sollte: Er verhielt sich danach.
1473 kam es zu einem berühmt gewordenen Fürstentreffen in Trier. Es begegneten sich Karl der Kühne und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Friedrich III. Der äußerliche Kontrast zwischen den beiden hätte größer kaum sein können: auf der einen Seite der ständig in Geldnot verkehrende Friedrich, erschöpft von der langen Reise aus Wien, und auf der anderen Seite der reichste Fürst Europas. Karl hatte seinen ganzen Hofstaat mit neuen Anzügen in Burgunderrot ausstaffiert, und obwohl es regnete, verbot er seinen Leuten, etwas überzuziehen. Er selbst trug einen Mantel, der mit 140 Perlen und 23 persischen Rubinen verziert war, sodass es bei jeder Bewegung laut klimperte. Dazu hatte er einen mit Goldfäden und Juwelen besetzten Hut, der bereits wie eine Königskrone aussah.
Karl ging es nämlich darum, vom Kaiser zum König von Burgund erhoben zu werden. Friedrich wiederum wollte seinen Sohn Maximilian gern mit Karls Tochter Maria von Burgund verheiraten. Einen Sohn hatte Karl nicht. Das hätte also bedeutet, dass Maximilian irgendwann Herzog von Burgund geworden wäre.
Dem Kaiser ist der Herzog nicht geheuer
Der „Deal“ kam jedoch nicht zustande. Denn dem Kaiser war der „stürmische Burgunder“ wohl nicht ganz geheuer, und auch die deutschen Kurfürsten zeigten sich hochgradig alarmiert. Eines Morgens war der Kaiser plötzlich aus Trier verschwunden. Klammheimlich hatte er sich über die Mosel davongemacht und hinterließ nur unbezahlte Rechnungen.
Der verärgerte Karl suchte nun eine Möglichkeit, seinen Herrschaftsanspruch unter Beweis zu stellen, und fand die passende Gelegenheit in der sogenannten Kölner Stiftsfehde, einer Auseinandersetzung zwischen dem Kölner Erzbischof Ruprecht von der Pfalz und den Bürgern von Köln. Karl begann eine Belagerung der mit den Kölnern verbündeten Stadt Neuss. Keine große Sache, hätte man meinen können, doch die Belagerung lief auf ein Fiasko hinaus. Neuss hielt stand, und Karl verlor Unsummen von Geld.
Als Nächstes attackierte und eroberte der „Wütrich aus Burgund“ das Herzogtum Lothringen. Für einen kurzen Moment waren die Länder von hüben und drüben – die südlichen und die nördlichen Teile Burgunds – nun vereint. Erstmals war das Herzogtum ein zusammenhängendes Gebilde. Es sollte der einzige Erfolg bleiben, den Karl der Kühne jemals erzielte.





