Sie alle beriefen sich auf Karl Marx: die organisierten Arbeiter des 19. Jahrhunderts, die russischen Revolutionäre, die Befreiungsbewegungen in den einstigen Kolonien, die Regime im Ostblock, die Rebellen der 1960er Jahre in Europa und den USA. Nach Jahren des Desinteresses – zumindest in Deutschland – ist inzwischen eine neuerliche Diskussion über die Aktualität der Marx’schen Theorien entbrannt.
Der amerikanische Historiker Jonathan Sperber, der an der Universität von Missouri, Columbia, lehrt, beschreitet in seiner großen Biographie über Karl Marx einen anderen Weg: Er zeigt den Philosophen, Ökonomen und Journalisten als Menschen des 19. Jahrhunderts, voller Emotionen, Ambivalenzen und Widersprüche. Die Leser erleben Marx als zugewandten Ehemann und Familienvater, als Journalisten mit spitzer Feder, als Revolutionär im Exil, in ständiger Geldnot. Die für Marx wichtigsten Menschen erhalten ebenfalls deutliche Konturen, allen voran die Ehefrau Jenny von Westfalen und der treue Weggefährte Friedrich Engels, ohne dessen finanzielle Zuwendungen Marx sein Werk nicht hätte schaffen können. Sperbers Buch ist akribisch recherchiert, voller Anschaulichkeit und glänzend geschrieben.
Die Jury beurteilte für den DAMALS-Buchwettbewerb 46 Bücher in sieben Kategorien und wählte außerdem ihre „Nummer 1“ – das Buch von Jonathan Sperber. Insgesamt platzieren sich 23 Bücher.
Die Jury: Prof. Dr. Stig Förster, Bern; Prof. Dr. Hartmut Leppin, Frankfurt am Main; Prof. Dr. Ulrich Herbert, Freiburg; Prof. Dr. Volker Reinhardt, Freiburg/Schweiz; Prof. Dr. Gabriela Signori, Konstanz; Dr. Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung; Joachim Güntner, Neue Zürcher Zeitung; Dr. Günter Müchler, Deutschlandfunk; Stefan Bergmann und Dr. Heike Talkenberger, Redaktion DAMALS.
Das Gesamtergebnis des DAMALS-Wettbewerbs in den sieben Kategorien gibt es hier: http://www.damals.de/de/21/Buecher-des-Jahres.html





