Ein ehrgeiziger Plan
Vor über 1000 Jahren wollte Kaiser Karl der Große einen durchgehenden Schifffahrtsweg vom Rhein zur Donau schaffen. Ein ehrgeiziger Plan, denn dafür musste eine Wasserscheide in der Nähe des bayrischen Orts Graben durch einen rund drei Kilometer langen Kanal überbrückt werden. Erst dieser Kanal – die Fossa Carolina – schuf die Verbindung vom Einzugsgebiet des Rheins zur Altmühl und über sie zur Donau.
Wie weit die Arbeiten an der Fossa Carolina damals gekommen sind, erforscht seit 2012 ein Archäologenteam verschiedener deutscher Universitäten. Ihre Ausgrabungen haben bereits gezeigt, dass die ersten Kanalbauarbeiten bereits im Herbst 792 begannen – und damit etwas früher als bisher gedacht. Zudem enthüllten sie, dass der Kanal mindestens 2300 Meter lang und bis zu 80 Zentimeter tief war und über abgestufte Staubecken verfügte. Nach Ansicht der Forscher ist der Karlsgraben damit eine der bemerkenswertesten Ingenieursleistungen des Frühmittelalters.
Fahndung nach dem südlichen Anschluss
Unklar war jedoch bisher, ob das gewaltige Bauprojekt jemals fertiggestellt wurde. Zwar belegen die Ausgrabungen, dass Teile des Kanals zur Zeit Karls des Großen schon mit Wasser geflutet waren. Doch ob der südliche Anschluss des Karlsgrabens an die Altmühl und damit an das Donaueinzugsgebiet fertiggestellt war, wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Nur mit diesem Anschluss wäre eine Befahrung des Kanals möglich gewesen.
Jetzt ist es dem Archäologenteam gelungen, diese entscheidende Frage durch modernste geophysikalische, archäologische und physisch-geographische Methoden endlich zu klären. Ihre Untersuchungen zeigen, dass es auf einer Strecke von mindestens 700 Metern zwischen den nachweisbaren Resten des Kanals im Ort Graben und der Altmühl keinerlei Spuren eines schiffbaren Kanals gibt. Weil sich der Lauf der Altmühl seit der Karolingerzeit nur geringfügig verändert hat, wie die Messungen nahelegten, konnten die Forscher das Suchgebiet recht genau eingrenzen.
Gescheitertes Großprojekt
“Unsere Ergebnisse stützen die Vermutung, dass der Karlsgraben niemals komplett fertiggestellt wurde – auch wenn große Teile des nördlichen Kanalteils fast vollständig waren”, berichten André Kirchner von der Universität Hildesheim und seine Kollegen. Entscheidende Abschnitte, wie der Kanalanschluss an die Altmühl, wurden nicht zu Ende gebaut, so dass der Kanal nie als Ganzes befahrbar war.
Damit scheint klar: Karl der Große ist mit seinem ehrgeizigen Großprojekt gescheitert – und das kurz vor dem Ziel. Es sollte noch mehr als tausend Jahre dauern, bis sein Traum von einer Schifffahrts-Verbindung zwischen Rhein und Donau wahr wurde: Erst im 19. Jahrhundert gelang es mit dem Ludwig-Donau-Main-Kanal, die Idee Karls des Großen erfolgreich zu Ende zu bringen.





