Die Ausstellung „Amazonen – Geheimnisvolle Kriegerinnen“, die noch bis zum 13. Februar 2011 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen sein wird, beleuchtet sämtliche Facetten des Amazonen-Mythos von der Antike bis zur Gegenwart und versucht überdies zu ergründen, inwiefern dieser Mythos auch einen historischen Kern enthält.
In der Ausstellung werden zum Teil noch nie gezeigte Exponate aus großen internationalen Museen wie dem British Museum in London, dem Nationalmuseum für Geschichte der Ukraine in Kiew oder dem Antikenmuseum in Basel präsentiert. Auf rund 1800 Quadratmetern erschließt sich der Amazonen-Mythos dem Besucher in einem faszinierenden Rundgang.
Zum Auftakt werden die Besucher in die Ursprünge des Amazonen-Mythos eingeführt: die antiken Sagen. Auf zahlreichen Vasenmalereien, Reliefs und Skulpturen können die schönen und unabhängigen Kriegerinnen – die sie den Legenden nach gewesen sein sollen – im Kampf gegen griechische Heroen wie Herakles und Theseus bewundert werden.
Ein ebenso beliebtes Motiv in der antiken Kunst stellt die Sage von Achill und Penthesilea dar: Im Kampf um Troja soll der griechische Held die Amazonenkönigin getötet – und sich im Augenblick ihres Todes in sie verliebt haben. Von der Tragik dieser beiden Kontrahenten zeugt die Achill-Penthesilea-Gruppe, die zwar in ihrer Urfassung nicht mehr erhalten ist; allerdings wurden verschiedene Versuche unternommen, die einstige Originalskulptur zu rekonstruieren. Eine dieser Nachbildungen ist in der Ausstellung zu sehen.
Durch ein anregendes Spiel mit Licht und Schatten wird die Außergewöhnlichkeit der antiken Exponate besonders zur Geltung gebracht: In angedunkelten Räumlichkeiten werden die Ausstellungsstücke von einer gedämpften Lichtquelle sanft erhellt, wodurch sie dem Besucher den Blick einzig für das Wesentliche offenbaren und zugleich eine fast geheimnisvolle Stimmung erzeugen.
Weiter widmet sich die Ausstellung den Grabfunden bewaffneter Frauen aus dem nördlichen Schwarzmeerraum, die dem Besucher auch die letzten Zweifel nehmen dürften: Es hat in der Antike sehr wohl Kriegerinnen gegeben! Denn neben Schmuck und Haushaltsgeräten gehörten zu den Grabbeigaben dieser Frauen Pfeile, Lanzen und Schwerter. Darüber hinaus fanden Archäologen weibliche Skelette, die Kriegsverletzungen bzw. Anzeichen von jahrelangem Reiten oder ständigem Bogenschießen aufwiesen.
Zu den herausragenden dieser Funde zählt eine etwa 16-jährige Kriegerin, die zusammen mit einem 45- bis 50-jährigen Mann in einem Doppelgrab auf dem Gräberfeld von Ak-Alacha im Altai-Gebirge entdeckt wurde. Die beiden waren Angehörige der Pazyryk-Kultur, eines skythischen Reiternomadenvolks des 6. bis 3. Jahrhunderts v. Chr. Aufgrund des an der Fundstelle herrschenden Dauerfrosts wurde ihr Grab konserviert und ermöglicht nun einen einmaligen Einblick in die vollständige Ausrüstung der Bestatteten.





