…so beschrieb die „Skandalgräfin“, Franziska zu Reventlow, Schwabing. Dort etablierte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine intellektuell-künstlerische Subkultur, die sich durch betont antibürgerlichen Habitus, tabulose Libertinage und Experimentierfreude auszeichnete. Aus dem Sammelbecken der Münchner Bohème gingen wegweisende künstlerische Strömungen aller Sparten hervor. So schuf Wassily Kandinsky in Schwabing das erste abstrakte Gemälde. Es entstanden die „Münchner Secession“ und der „Blaue Reiter“, aber auch der Jugendstil im Kunsthandwerk, im Design und in der Architektur. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs blieb Schwabing ein Mekka der Freigeister und Kreativen, darunter, wie der Anarchist Erich Mühsam aufzählte: „Maler, Bildhauer, Dichter, Modelle, Nichtstuer, Philosophen, Religionsstifter, Umstürzler, Erneuerer, Sexualethiker, Psychoanalytiker, Musiker, Architekten, Kunstgewerblerinnen“.





