Vor rund 40 Jahren erntete der Schweizer Buchautor Erich von Däniken mit Phantastereien über Ufo-Landeplätze im peruanischen Teil der Atacama-Wüste viel Geld und fragwürdigen Ruhm. Längst gilt als wissenschaftlich gesichert, dass indigene Völker die in felsigen Boden eingeritzten, überdimensionierten Figuren und geometrischen Zeichen für religiöse Riten und Zeremonien geschaffen haben. Darauf weisen auch Funde von Siedlungen und Gräbern hin.
Vom Märchen einer prähistorischen Raumfahrt Außerirdischer blieb lediglich der Name für das Riesenstrichmännchen (Foto rechts), das noch immer „Astronaut“ oder, auf Englisch, „Alien“ genannt wird.
Die ältesten Geoglyphen stammen von den Paracas und sind rund 2800 Jahre alt. Die Mehrzahl jedoch wird der nachfolgenden Nazca-Kultur (200 v. Chr. – 600 n. Chr.) zugerechnet, benannt nach einer Kleinstadt im Süden Perus. Deren Umgebung bildet heute ein gigantisches Freilichtmuseum mit bislang 1500 entdeckten Artefakten auf rund 500 Quadratkilometern.
Die Wissenschaft spricht auch von Scharrbildern. Der Begriff bezieht sich auf das Abschaben der schwarz verwitterten Gesteinsoberfläche, unter der eine sandfarbene Sedimentschicht zum Vorschein kommt. Die Nazca kratzten auf flachen Böden oder Felswänden abstrahierte menschliche Figuren, wie beispielsweise den „Astronauten“, der stattliche 90 Meter misst, sowie in vergleichbarer Größe die Umrisse von Tieren wie Vögel, Affen oder Walen.
Weltbekannt wurden vor allem die wenige Zentimeter tiefen, armbreiten und bis zu 20 Kilometer langen schnurgeraden Linien – von Däniken zu „Landebahnen“ für Ufos verkitscht – sowie großräumige, geometrische Zeichnungen, von denen Archäologen bis heute immer wieder neue entdecken. Die extreme Trockenheit in der Hochebene zwischen Anden und Pazifik hat die Geoglyphen konserviert.
Die Kulturstätte war lange Zeit in Vergessenheit geraten, ehe deren Erforschung begann. Erste schriftliche Hinweise lieferten im späten Mittelalter spanische Konquistadoren, sie hielten die Wüstenzeichnungen fälschlicherweise für Wegmarkierungen oder alte Straßen. Das Rätselraten der Wissenschaftler aus aller Welt dauerte noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts an, die Rede war nun von einem antiken Bewässerungssystem oder einer Art astronomischem Kalender; auch diese Hypothesen ließen sich nicht erhärten.
Erst der Beginn des Flugzeitalters verhalf den Forschern zum Durchbruch: Seither ist es möglich, mit Luftaufnahmen dieses einzigartige Zeugnis indigener Kulturen systematisch zu vermessen und zu dokumentieren.
Autor: Rudolf Gruber





