Die späte Bronzezeit (um 1600–1050 v. Chr.) ist zweifellos eine der glanzvollsten Epochen in der Geschichte Zyperns. Es entstanden eindrucksvolle Städte (allen voran Enkomi), die von einer solide gebauten Stadtmauer eingefasst wurden, ein rechtwinkliges Straßensystem aufwiesen und über gut gebaute Kult-, Residenz- und Verwaltungsgebäude verfügten. Die Insel stand in regem (Handels-)Austausch mit ihren Nachbarn – den Ägyptern im Süden, den Assyrern im Osten, den Hethitern im Norden und den Minoern bzw. Mykenern im Westen. Die zyprische Kultur erhielt daher – vor allem im 13. und 12. Jahrhundert – ein kosmopolitisches Gepräge. Wertvolle Objekte, zum Beispiel aus Elfenbein, Fayence, Silber und Gold, gelangten als Importe auf die Insel oder wurden, durch solche Importe angeregt, schnell vom heimischen Kunsthandwerk adaptiert und auf Zypern selbst gefertigt, wobei sie ein eigenes, typisch zyprisches Gepräge erhielten.
Diese Glanzzeit verdankt Zypern insbesondere seinen reichen Kupfervorkommen. Da es auf der Insel möglich war, die in den Ausläufern des Troodos-Gebirges lagernden Kupfererze auch mit relativ primitiven Werkzeugen in erheblichen Mengen zutage zu fördern, ist davon auszugehen, dass dies schon recht früh getan wurde; zumindest für das 3. Jahrtausend lässt es sich auch archäologisch belegen. In der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends entwickelte sich Zypern dann im Mittelmeerraum zu einem höchst bedeutsamen Zentrum der Verhüttung und Verarbeitung von Kupfererzen. Diesen Status sollte die Insel im Wesentlichen bis in die Spätantike beibehalten, wobei auch im Mittelalter und dann noch einmal im 20. Jahrhundert der Abbau von Kupfer in größerem Maße betrieben wurde.
Den Handel mit Kupfer belegen vor allem zwei vor der türkischen Südküste entdeckte Schiffswracks. Das vor Uluburun gegen 1300 gesunkene, wahrscheinlich zyprische Handelsschiff hatte eine international anmutende Ladung an Bord – darunter etliche Luxusgüter und vor allem große Mengen an Kupferbarren. Auf insgesamt 475 solcher Barren sind die Ausgräber hier gestoßen. Mittels naturwissenschaftlicher Untersuchungen wurde festgestellt, dass die meisten der Barren, die es zusammen auf ein Gewicht von etwa zehn Tonnen bringen, eindeutig aus zyprischem Kupfer bestehen – was nicht weiter verwunderlich ist, war Zypern zu dieser Zeit und auch später noch der offenbar bedeutendste Produzent und Lieferant von Kupfer im östlichen und auch im zentralen Mittelmeerraum. Das zweite, etwa 100 Jahre später (um 1200) am Kap Gelidonya gesunkene Schiff, das wohl von der Levante-Küste stammte, besaß eine sehr viel kleinere Ladung als das Uluburun-Schiff, aber auch dieses Schiff hatte etliche Barren zyprischen Kupfers an Bord. Zur Ladung beider Schiffe gehörten auch Zinn-Barren – das heißt, sie führten beide Materialien mit sich, die zur Herstellung von Bronze notwendig waren.
Die günstigen Bedingungen für die Handelsschiffahrt – für die nicht zuletzt diese beiden Schiffswracks als Beleg zu werten sind – verschwanden, als im 13. und 12. Jahrhundert der gesamte östliche Mittelmeerraum und die Ägäis eine Periode der Unruhe gepaart mit Zerstörungen erlebten. Ohne auf die in der Forschung ohnehin kontrovers diskutierten Ursachen für die nachhaltigen Erschütterungen in dieser Phase näher eingehen zu wollen, sei nur festgehalten, dass in Griechenland die mykenischen Paläste und Burgen damals zerstört wurden und somit der Untergang der mykenischen Kultur eingeläutet wurde. Auch das Großreich der Hethiter zerfiel; allerdings bildeten sich hier schnell kleine Königtümer (Territorialmonarchien) heraus. Und selbst das pharaonische Ägypten blieb von heftigen Unruhen nicht verschont. Auf Zypern ist der Niedergang so bedeutender Siedlungen wie etwa Enkomi, Sinda, Hala Sultan Tekke und Kalavassos-Agios Demetrios zu beobachten…





