Der Blick richtet sich auf eine Region, die bereits für ihre Spuren aus der Ära der Kelten in Süddeutschland bekannt ist: Der neuentdeckte Grabhügel befindet sich in der Donauebene bei Riedlingen, nur etwa sieben Kilometer nordöstlich der sogenannten Heuneburg, die als älteste stadtartige Siedlung nördlich der Alpen gilt. Sie beherbergte zu ihrer Blütezeit in der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. mehrere tausend Einwohner und war der Sitz einer herrschaftlichen Gesellschaft. Davon zeugen unter anderem Funde von monumentalen Hügelgräbern im Umland der Heuneburg. Ein herausragendes Beispiel ist dabei das sogenannte Grab der Keltenfürstin vom Bettelbühl. Zu der neuen Entdeckung kam es nun im Rahmen weiterer archäologischer Untersuchungen in der spannenden Fundregion.
Wie das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (LAD) berichtet, identifizierte das Grabungsteam dort die Überreste eines Grabhügels, der einst 65 Meter breit und bis zu sechs Meter hoch war. Es handelt sich somit ebenfalls um eine der Anlagen, die die Kelten in der Zeit zwischen 620 und 450 v. Chr. für besonders hochstehende Persönlichkeiten errichteten. Die besondere Überraschung war allerdings der Fund der noch vollständig erhaltenen Grabkammer aus Eichenholz im Zentrum der Anlage. Denn obwohl Holz das wichtigste Baumaterial in frühkeltischer Zeit war, sind Konstruktionen aus der vergänglichen Substanz nur selten im Boden erhalten geblieben.
Erstaunlich gut erhaltene Holzkonstruktion
Doch im aktuellen Fall haben besondere Bedingungen im Untergrund der Grabanlage die Konstruktion konserviert, erklären die Experten. Der Fund dokumentiert somit die keltische Bauweise. „Das Riedlinger Grab ist ein Glücksfall für die Archäologie: Die wissenschaftliche Bedeutung dieses vollständig erhaltenen keltischen Kammergrabs reicht weit über die Grenzen Baden-Württembergs und Süddeutschlands hinaus“, sagt Dirk Krausse vom LAD. Wie das Team berichtet, ist die entdeckte Kammer 4,05 Meter lang, 3,40 Meter breit, und etwa einen Meter hoch. Der Boden besteht aus in Nord-Süd-Richtung verlegten Dielen und die Wände aus hochkant gestellten Bohlen.

Deutlich massiver war die Decke konstruiert: Sie besteht aus zwei Lagen mächtiger Eichenbohlen. Besonders spannend ist, dass sich Holz anhand seiner Jahresring-Strukturen präzise datieren lässt. Die dendrochronologischen Untersuchungen der bisher geborgenen Kammerhölzer läuft zwar noch, aber es liegt bereits ein Befund zu einem gefundenen Werkzeug vor, das die Erbauer außerhalb der Kammer zurückgelassen haben. Es war demnach aus dem Holz einer im Jahr 585 v. Chr. gefällten Eiche gefertigt.





