Zur Lösung dieser Frage entwickelte die Archäologie ausgehend von der groben Einteilung in eine Stein-, eine Bronze- und eine Eisenzeit eine eigene Methode. So geht man davon aus, dass Gegenstände gleichen Aussehens und gleicher Machart auch ein ähnliches Alter besitzen, ebenso wie Objekte, die in einem gemeinsamen Fundzusammenhang gefunden werden. Schließlich gelten Objekte, die in derselben Fundschicht liegen, als gleich alt, diejenigen darüber bzw. darunter dementsprechend als jünger oder älter.
Durch die Anwendung dieser Grundsätze gelang die Erarbeitung einer Vielzahl archäologischer Kulturgruppen und ihrer chronologischen Beziehungen zueinander. Die Frage nach dem tatsächlichen Alter eines Objekts lässt sich aber auf diese Weise allein im geschichtslosen, prähistorischen Mitteleuropa nicht beantworten. Hierzu bedarf es der archäologisch-historischen Einbeziehung von Funden aus Regionen, die bereits mit Geschichtsdaten aufwarten können.
Für die Eisenzeit Mitteleuropas geschieht dies meist durch Importfunde aus den mediterranen Hochkulturen Griechenlands und Italiens. Solche in ihrem Ursprungsland recht genau datierten Gegenstände bilden die Fixpunkte für die zeitliche Einordnung einheimischer Funde.
Eines der wichtigsten Beispiele hierfür stammt aus dem frühkeltischen „Fürstengrab“ von Hochdorf bei Ludwigsburg. Dort entdeckte man 1977 einen der reichsten Grabfunde der europäischen Vorgeschichte. Von den zahlreichen Bei‧gaben aus dem Grab ist der große, aus dem Mittelmeerraum stammende Kessel für die absolute Datierung von entscheidender Bedeutung. Er hatte offenbar bereits eine bewegte Geschichte hinter sich, bevor man ihn, gefüllt mit Honigmet, im Grab deponierte. Der Kessel ist kein homogenes Werkstück, sondern aus Alt‧teilen zusammengesetzt. Zwei der Löwenfiguren, die seinen Rand schmücken, wurden um 540 v. Chr. in einer griechischen Werkstatt in Unteritalien hergestellt. Die Rollenhenkel und der Kesselkörper sind dagegen älter.
Wo der Kessel endgültig zusammengesetzt wurde, lässt sich kaum entscheiden. Werkstätten in Italien kommen ebenso in Frage wie ein Atelier aus der Gegend von Marseille, dem antiken Massalia. Als sicher gilt dagegen, dass ein einheimischer Handwerker einen verlorengegangenen griechi-schen Kessellöwen durch eine stilistisch reduzierte, technisch aber meisterhafte Nachschöpfung ersetzte. Die griechischen Löwen datieren nicht nur die Grabausstattung des „Fürsten“ von Hochdorf, sie liefern gleichzeitig einen Zeitansatz für den Beginn eines künstlerischen Umbruchs, der mit der Aufnahme südlicher Impulse die Grundlage für den kommenden „Frühen Stil“ in der keltischen Kunst bildet.
Etwa 100 Jahre später war diese Entwicklung abgeschlossen. Organisch anmutende Pflanzen- und Zirkelornamente, phantastische Fabelwesen und Dämonenfratzen hatten die strenge Geometrie und Bildfeindlichkeit der älteren Eisenzeit abgelöst. Einige der schönsten Vertreter des neuen „La-Tène-Stiles“, eine bronzene Schnabelkanne, eine goldplattierte Zierscheibe und goldene Trinkhornbeschläge, stammen aus dem 1879 aufgedeckten „Fürstengrab“ des Kleinasperg-le, nur zehn Kilometer von Hochdorf entfernt.





