Die Fundgeschichte beginnt mit einem erschrockenen Bauern: Beim Pflügen seines Ackers auf dem Schweinsrück in der Nähe des thüringischen Dörfchens Ballstädt, stieß er 2003 auf einen metallischen Widerstand. Seine Befürchtung, es könnte sich um eine Fliegerbombe handeln, bestätigte sich nicht. Es waren mehrere Gegenstände, teils aus Metall, teils aus Keramik.
Die folgenden Untersuchungen durch Denkmalpfleger und Archäologen offenbarten dann: Der Ballstädter Schweinsrück war vor 2000 ein Urnenbestattungs- beziehungsweise Brandgräberfeld. Nach keltischer und elbgermanischer Tradition wurden die Toten in dieser Zeit mit Beigaben verbrannt. Die Asche und weitere Überreste wurden anschließend in Urnen bestattet.
Seit 2003 sind Archäologen nun weitere Entdeckungen auf dem Schweinsrück geglückt. Eine besonders interessante Grabbeigabe wurde 2014 entdeckt: Eine Keramikurne in der sich die Reste eines Schildbuckels befanden, des schmiedeeisernen Mittelteils eines keltischen Holzschildes. Dieses Element diente nicht nur als Verzierung, sondern auch dem Schutz der Hand des Schildträgers. Wie die Forscher berichten, besitz der entdeckte Schildbuckel eine Besonderheit: Überraschenderweise sind Teile der Oberfläche des metallischen Objekts auch nach mehr als 2000 Jahren völlig frei von Rost geblieben. Was es damit auf sich hat, wurde nun zu einem Forschungsprojekt der Abteilung für „Konservierung und Restaurierung” der Fachhochschule Erfurt.
Schützende Brandpatina entstand durch die Feuerbestattung
„Hoch spannend!”, sagt Steffen Teichert. „Zur Bestimmung der Zusammensetzung dieser besonderen, nicht korrodierten Schicht auf dem Schildbuckel haben wir verschiedene Analyseverfahren eingesetzt. Mittels der Röntgenspektroskopie ließ sich eine auf dem Metallkern liegende Passivierungsschicht aus verschiedenen Eisenoxiden nachweisen. Diese Oxidschicht wurde von uns sicher als Brandpatina identifiziert”, so der Experte. Passivierung bezeichnet die spontane Entstehung oder gezielte Erzeugung einer nichtmetallischen Schutzschicht auf einem metallischen Werkstoff, welche die Korrosion des Grundstoffes verhindert oder stark einschränkt. „Durch Hitzeeinwirkung auf den Stahl hat sich eine Art Brandpatina gebildet”, erklärt David Bitter, der die Untersuchungen durchgeführt hat. “Im Querschliff des Materials ist diese Patina als dunkle Linie erkennbar”.
Theoretisch könnte die Oxidschicht durch das Schmieden des Schildbuckels entstanden sein. Doch den Experten zufolge ist es eher wahrscheinlich, dass die Brandpatina von der Leichenverbrennung stammt, da für die Entstehung der gefundenen Oxide eine deutlich längere Hitzeeinwirkung nötig ist, als es für Bearbeitung im Schmiedefeuer üblich ist.





