Was der König darüber hin-aus schätzte und wie teuer ihn seine Interessen zu stehen kamen, darüber geben die anlässlich des 300. Geburtstags veröffentlichten „Schatullrechnungen“ Friedrichs Auskunft. Das Dokument ist als Online-Editionsprojekt der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz im Internet zugänglich und befindet sich auf der Plattform der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland.
Die Rechnungen liegen für den Zeitraum von Januar 1742 bis August 1786 fast komplett vor. Etwa 19000 Ausgaben sind in Tabellenform auf einzelnen Blättern verzeichnet, die von Archivaren im 19. Jahrhundert in 41 Jahrgangsbänden zusammengefasst wurden.
Bei der „Schatulle“ bzw. „Chatoulle“ handelt es sich laut der von 1773 an erschienenen „Oeconomische[n] Encyclopädie“ von Hans Georg Krünitz um eine „Ausgabe=Casse, die besonders zu dem unmittelbaren Gebrauche des Regenten bestimmt ist, und woraus nichts ohne seine besondere höchste Anordnung ausgegeben wird.“ Der Herrscher entschied, was daraus beglichen wurde. Daher erlaubt diese Quelle auch Aussagen über die Interessen des Königs, wodurch dessen Persönlichkeit und seine Umgebung deutlicher hervortreten.
Ob man, wie häufig getan, die Schatulle auch als „Privatkasse“ des Monarchen bezeichnen kann, müssen weitere Untersuchungen zeigen. So ist nicht geklärt, woher die Einnahmen kamen: Handelte es sich um „staatliche“ Zuwendungen oder um Gelder, die aus dem Familieneigentum der Hohenzollern stammten? Auch ist offen, welche Ausgaben „privaten“ Charakter tragen. So kann man die immer wieder anfallenden zusätzlichen Aufwendungen für die königliche Küche, die doch eigentlich über einen eigenen Etat verfügte, als durch persönliche Vorlieben des Königs verur-sachte Ausgaben betrachten. Allerdings empfing der Mon‧arch oft Besuch und repräsentierte dann den Staat. Gerade diese zusätzlich entstehenden Küchenkosten veranlassten Friedrich im April 1773 bei einem „Nachschuß zur Königl. Küche“ in Höhe von 239 Reichstalern (RTl) zu der knappen, wahrscheinlich nicht ganz unzutreffenden Randnotiz: „Canaillen haben wie die Raben gestohlen.“ Der Bemerkung kann man neben dem „herzlichen“ Umgangston entnehmen, dass der König zumindest einen Teil dieser Rechnungen gesehen hat. Auch sein Misstrauen gegenüber dem Küchenpersonal dürfte eine Rolle gespielt haben. Denn anvertraut war die Kassenführung selbst eigentlich Personen aus dem engsten Umfeld des Herrschers. So finden sich neben Blättern des Geheimen Kämmerers Michael Gabriel Fredersdorf, den man als Freund Friedrichs bezeichnen kann, sowie Rechnungen der Kammerhusaren Leining, Rüdiger und Zeising auch Spuren des Hofstaatsrentmeisters und Tresoriers Buchholz, eines engen Vertrauten des Königs im Bereich der Finanzen.





