Schon in der Einleitung betont der Autor den Grenzcharakter der „Königin der Donau“, in der Antike zwischen Römer-Reich und „barbarischen“ Völkern, heute zwischen Mittel- und Südosteuropa.
Hauszmann beginnt seinen geschichtlichen Überblick mit der römischen Siedlung namens Aquincum, die 90 n. Chr. an der Stelle der heutigen Hauptstadt entstand, und arbeitet sich über die Wirren des Mittelalters chronologisch vor, bis aus den zwei unabhängigen Städten Buda und Pest auf beiden Seiten der Donau 1849 mit Fertigstellung einer dauerhaften Brücke eine Stadt werden konnte. Gemeint ist die Kettenbrücke, die im Laufe der Geschichte noch eine wichtige Rolle einnehmen sollte. Vor dem Abzug der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sprengten diese noch sämtliche Brücken, die erst während der ersten fünf Nachkriegsjahre wieder aufgebaut werden konnten. Kenntnisreich und anschaulich erklärt Hauszmann die eigentliche Stadtgründung durch die Vereinigung der eigenständischen Ort Pest, Buda und Óbuda im Jahr 1873.
Dennoch bleiben Hauszmanns Darstellungen an manchen Stellen zu oberflächig. Den Untergang der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie nach dem Ersten Weltkrieg und die daraus folgende „Schicksalsgemeinschaft“ mit Deutschland schneidet er nur kurz an. In der gleichen Weise wird der Zweite Weltkrieg auf viereinhalb Seiten abgehandelt.
Dafür ist das Themenspektrum breit gefächert und bietet einen ersten Überblick über Kultur, Architektur und Politik in der ungarischen Hauptstadt. Der Text ist mit einigen Zitaten aus Literatur oder historischen Quellen und zusätzlichen Details in Informationskästen aufgelockert. Die schwarz-weißen Abbildungen beschränken sich auf eine unterstützende Funktion. Am Ende des Buchs befinden sich Zeittafeln sowie Personen- und Ortregister.
Schon das Format des schlanken Taschenbuchs spricht dafür, das Werk als eine Art Reisebegleiter zu benutzen, um vor Ort noch einige Informationen nachzulesen. Insgesamt gesehen empfiehlt es sich, die „Kleine Geschichte Budapests“ als erstes Nachschlagewerk zu nutzen. Wenn man zu bestimmten Themen mehr erfahren möchte, sollte man auf die beigefügte Literaturauswahl zurückgreifen.
Am Ende meint man herauslesen zu können, dass der Autor sein Buch gerne mit dem Tenor beenden möchte, dass Budapest zu Europa gehört. Die letzten angesprochenen Ereignisse, namentlich der erdrutschartige Wahlsieg der FIDESZ Partei unter Viktor Orbán, beziehen sich auf 2010. Die Hinwendung zu einem rechtsorientierten Regierungsstil konnte auch Hauszmann schon absehen, die Verfassungsänderungen aber werden nicht mehr angesprochen. Der heutige Leser kann ex post bestätigen, dass Budapest derzeit wieder eine Grenzstadt ist, dieses Mal zwischen Demokratie und Despotie bzw. Fortschritt und Rückschritt.





