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Klirrende Waffen

Klirrende Waffen

Im nächsten Jahr steht sie an, die ganz große Fete: Die USA feiern den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Erinnerungen werden aufkommen an das Bicentennial 1976, an die Parade der großen Segelschiffe aus aller Welt vor New York, die Feuerwerke, die Staatsgäste – allen voran Königin Elisabeth II., die den…
05. November 2025
Lesezeit
2 Minuten

Den Weg der 13 englischen Kolonien in die Unabhängigkeit schildert der ehemalige Bundeswehroffizier Klaus-Jürgen Bremm als „Amerikas unwahrscheinlicher Sieg“. Dies war der Ausgang des Unabhängigkeitskriegs von 1775 bis 1783 (erst im 21. Jahrhundert führten die USA einen noch längeren Krieg: in Afghanistan) in der Tat. Eine Gruppe von zunächst kaum als zusammenhängender Bund organisierten Kolonisten lehnte sich gegen die größte Militärmacht der Alten Welt, die erst kurz zuvor im Siebenjährigen Krieg triumphiert hatte, auf.

Die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung konnten nicht sicher sein, ob nicht ihr Besitz konfisziert und sie selbst als Hochverräter am Galgen von Tyburn vor den Toren Londons enden würden. Ja, es waren die Wohlhabenden, die sich gegen die Krone auflehnten, und es ging ihnen nicht nur um die hehren Ideale wie Life, Liberty and the Pursuit of Happiness, sondern vielfach auch um die eigenen wirtschaftlichen Interessen. Dass nicht alle Kolonisten „Patrioten“ waren, sondern ein starkes Bevölkerungssegment, die „Loyalisten“, zum Mutterland England stand, stellt Bremm heraus – und auch, wie wenig die demokratischen Ideale der in Entstehung begriffenen Republik für diese Andersdenkenden (die meist emigrieren mussten) galten.

Bremm führt die Leser höchst unterhaltsam durch die Stationen des epischen Konflikts von den ersten Schüssen zwischen „Rotröcken“ und kolonialen Milizen bei Lexington und Concord im April 1775 über unerwartete Erfolge wie die Überrumpelung der hessischen Söldner bei Trenton zu Weihnachten 1776 (nach dem in Emanuel Leutzes grandiosem Werk verklärten Washington Crossing the Delaware) und Rückschläge wie vor New York bis zum entscheidenden Sieg bei Yorktown 1781. Eine Lehre, die vom 18. ins 21. Jahrhundert ausstrahlt: Ein militärisch Unterlegener kann sich nur behaupten, wenn tatkräftige Hilfe von außen kommt. Im Falle der jungen USA war das bourbonische Frankreich der Geburtshelfer.

Bremm ist ein äußerst produktiver Autor von Büchern, die von Waffengeklirr widerhallen. Wie fruchtbar, zeigt sich daran, dass er in nur drei Wochen Abstand zum Unabhängigkeitswerk ein weiteres Buch auf den Markt geworfen hat: über Bismarcks ersten Krieg gegen Dänemark 1864. Es ist noch nicht so lange her, da wurde man in Deutschland schief angesehen, wenn man ein Faible für Bücher über Kriege und Schlachten hatte. Doch seit einige der lautstärksten Pazifisten von einst zu ebenso engagierten Protagonisten von Waffenlieferungen und Militärhilfen geworden sind, sind Bücher wie jene von Bremm wieder ein Genuss ohne Reue.

Rezension: Dr. Dr. Ronald D. Gerste

Klaus-Jürgen Bremm
Amerikas unwahrscheinlicher Sieg
Der Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783
Verlag wbg Theiss, Freiburg im Breisgau 2025, 272 Seiten, € 28,–

1775BremmKriegRezension

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