In der Einleitung verweist die Autorin auf die Ambivalenz weiblicher Herrschaft in Frankreich: Einerseits durch das salische Recht von der Thronfolge ausgeschlossen und im Vergleich zum Hochmittelalter in ihren Rechten beschnitten, besaßen doch die Frauen am französischen Hof dieser Zeit großen Einfluss, konnten als Mütter, Schwestern, Gemahlinnen oder Geliebte durchaus die Geschicke des Landes mitbestimmen. Immer aber beruhte dieser Einfluss auf der Schwäche der männlichen Macht (bzw. der Leidenschaft des Königs) oder einer Lücke, die durch räumliche Ferne, den Tod des Ehegatten oder die Minderjährigkeit des Sohns entstehen konnte.
Als machtbewusste Regentin, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckte, trat etwa Katharina de’ Medici nach dem Tod ihres Gatten Heinrich II. auf die politische Bühne. In einer Zeit der erbitterten konfessionellen Auseinandersetzungen, die in der Bartholomäusnacht gipfelten, erscheint Katharina jedoch zeitweise eher als Getriebene denn als Gestalterin der Verhältnisse. Oder die Pompadour: Gebannt verfolgt man ihre Metamorphosen. Zunächst bewunderte Schönheit, entwickelte sie sich zur geistreichen Gesellschafterin, zur plötzlich religiös gestimmten Lebensberaterin und schließlich gar zur Bordellmutter für „ihren“ Ludwig XV.
Differenziert und mit psychologischem Feingefühl schildert Craveri Persönlichkeit sowie Handlungsspielräume der mächtigen Frauen und entwirft ein Tableau der Hofgesellschaft zwischen Kalkül und Leidenschaft, Intrige und Verrat. Mit spürbarer Anteilnahme stellt die Autorin „Mut, Intelligenz und Erfindungsgabe“ ihrer Protagonistinnen heraus und räumt so mit manch frauenfeindlichem Vorurteil auf. Zuweilen hätte man sich jedoch eine kritischere Haltung der Autorin gegenüber dem Handeln ihrer Heldinnen gewünscht.
Rezension: Talkenberger, Heike





