Der Kongo, seit 1960 unabhängig, wurde durch die 30- jährige Alleinherrschaft Mobutu Sese Sekos (1965 –1997) und die daran anschließenden Nachfolgekämpfe ruiniert und ausgeplündert. Statt um den aus Kautschuk gewonnenen Gummi geht es nun um Tantal, das in allen Handys, Notebooks und Spielekonsolen verbaut wird. Um möglichst billig an das dafür benötigte Coltan-Erz zu kommen, plündern Milizen seit Jahren die Minen im Nordosten des Landes, terrorisieren das Land durch Mord und Massenvergewaltigungen. Der kongolesische Zentralstaat ist in weiten Teilen des Landes nicht präsent, der zweite Kongo-Krieg (1998 –2003), in dem sechs afrikanische Staaten auf kongolesischem Boden kämpften, hat bis zu fünf Millionen Menschen das Leben gekostet und die letzten Reste staatlicher Strukturen vernichtet.
Van Reybrouck zeichnet in seinem beeindruckenden Buch aber nicht das Bild einer ausweglosen Apokalypse, einer Hoffnungslosigkeit, zu der Afrikaner und Afrikanerinnen schon aufgrund ihres „Afrika‧ner-Seins“ verurteilt wären, sondern schildert eindringlich auch die Leistung und den Überlebenswillen der einfachen Kongolesen. Auf der Grundlage Dutzender von Interviews mit Zeitzeugen entsteht ein Kaleidoskop von Geschichten, das das herkömmliche Schwarz-Weiß-Schema (im mehrfachen Sinn des Wortes) aufbricht. Van Reybrouck zeichnet ein prägnantes Bild der Auswirkungen der europäischen Kolonialherrschaft auf die einzelnen Menschen. Es geht ihm dabei aber nicht nur um Geschichte, das Schicksal des Kongo sei vielmehr „eine Vorankündigung dessen, was einem überbevölkerten Planeten noch bevorsteht. Der Kongo ist nicht in der Geschichte zurückgeblieben – er ist der Geschichte voraus.“
Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer





