Am 10. Februar 1962 hatte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard in einem Radiointerview des NDR erstmals eingeräumt, dass es ein großes „Bedürfnis nach einer besseren Markttransparenz, nach einer Aufklärung und Unterrichtung des Verbrauchers“ gebe. Die Gründung eines staatlichen Warentest-Instituts lehnte er jedoch kategorisch ab: „Der Staat kann sich interessieren an einer solchen Einrichtung, aber ich möchte beileibe keine staatliche Einrichtung dieser Art schaffen wollen!“
Die Argumente für die Gründung einer Einrichtung, die Produkte nach objektiven Kriterien prüft und testet, lagen auf der Hand: Die Bürger sollten ihr hart verdientes Geld nicht dem erstbesten Marktschreier hinterherwerfen, sondern in einem rationalen Prozess das bestmögliche Produkt auswählen und so gleichzeitig die Produzenten dazu bewegen, die bestmögliche Qualität zu liefern und ihre Produkte stetig zu verbessern. Auch Ludwig Erhard war ein Verfechter der Maxime, dass rationaler Konsum zu rationaler Produktion führe und so zum optimalen Funktionieren des Marktes und zur Steigerung des Wohlstands beitrage. Direkte staatliche Eingriffe in den Markt lehnte er jedoch strikt ab.
Tatsächlich erreichte die Idee vergleichender Warentests die Bundesrepublik erst relativ spät. In den USA war bereits 1927 erstmals das monatlich erscheinende „Consumers’ Research Bulletin“ verlegt worden, von dem sich 1936 die „Consumers Union“ (seit 1942: „Consumer Reports“) abspaltete, die mit ihren 50 Testlaboren, einer Automobilteststrecke und einer Auflage im Millionenbereich bis heute die einflussreichste Verbraucherorganisation der Welt ist. In Europa entwickelten sich hingegen erst nach der Überwindung der Mangelwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg erste Anläufe, den Verbrauchern in einem zunehmend unübersichtlichen Marktumfeld voller neuer Produkte wie Waschmaschinen, Staubsaugern und Fernsehapparaten, angesichts neuer Vertriebsformen und immer professionellerer Werbekampagnen zu einer besseren Informationsgrundlage für ihre Kaufentscheidungen zu verhelfen. Während in England nach amerikanischem Vorbild private Trägerschaften wie die Consumers’ Association gegründet wurden, welche 1957 erstmals die Zeitschrift „Which?“ veröffentlichte, ging Schweden mit dem Statens Institut for Konsumenfragor einen Weg der staatlichen Aufsicht.
In der Bundesrepublik Deutschland überwogen grundsätzliche Bedenken gegen jeden Eingriff in den Markt. Auf einen ersten Vorstoß der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV), eines Zusammenschlusses von Konsumgenossenschaften, Hausfrauenvereinen, Hilfswerken von Beamten, Mietern, Familien und zahlreichen anderen Interessenverbänden, reagierte die Bundesregierung zurückhaltend. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard stellte sich klar auf die Seite der Hersteller, die es schlicht für unmöglich erklärten, ihre Erzeugnisse anhand objektiver Kriterien zu beurteilen: Lege nicht jeder Kunde stets subjektive Maßstäbe an, nicht zuletzt was die ästhetischen Eigenschaften eines Produkts angehe? Spiele nicht immer auch der Preis eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung?





