„Reichswerke Hermann Göring“ mit diesem Namen fing es an: Am 13. Mai 1938 erfolgte in Linz der Spatenstich für den Aufbau der gewaltigen Fabrikanlagen. Sie sollten Stahlprodukte liefern – vor allem für die hungrige Kriegsmaschinerie des Deutschen Reiches. Aufbau und Produktion waren nur durch den massiven Einsatz ausländischer Arbeitskräfte möglich – 1938 waren dies zivile Ausländer, ab 1940/41 Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene und ab Ende 1942 schließlich auch KZ-Häftlinge. Die Männer, Frauen und Jugendlichen aus mehr als dreißig Nationen mussten zunehmend menschenunwürdige Bedingungen ertragen, bis sie 1945 schließlich befreit wurden.
„Die konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aufzuzeigen, individuelle Lebensschicksale nicht in der Anonymität verschwinden zu lassen, ein größeres Verständnis für Zeitgeschichte und dieses Themas im Besonderen zu fördern, das sind die Anliegen dieser Ausstellung“, sagt Michaela Schober von der voestalpine AG. Das Unternehmen ist das erste Österreichs, das sich auf diese Weise mit dem Thema NS-Zwangsarbeit öffentlich auseinandersetzt.
Basis der Ausstellung sind rund 38.000 Personalakten und Lohnbögen der Linzer Betriebe der Reichswerke Hermann Göring aus den Jahren 1938 bis 1945. Durch umfangreiche Erläuterungen, Bildmaterial und multimediale Informationen kann sich der Besucher ein Bild von den damaligen Zuständen machen. Darüber hinaus erhalten die Opfer der NS-Zwangsarbeit durch Audiodokumente eine Stimme. Neben Individualbesuchern bilden vor allem Schulkassen die Zielgruppe der Ausstellung.
Besonders die persönlichen Berichte von Betroffenen vermitteln einen Eindruck, wie rücksichtslos mit den Zwangsarbeitern verfahren wurde. Der damals 18-jährige Oleksij Kruhlyk aus Russland erzählt über die Rekrutierung: „Immer wieder umstellten sie unser Dorf und schnappten sich Männer und Frauen. Wir wurden in Viehwaggons gepfercht – 40 oder 50 Personen pro Waggon. Bis nach Linz war ich 7 Tage unterwegs. In der ganzen Zeit bekamen wir nur zweimal einige Laibe Schwarzbrot in den Waggon geworfen. Vom Bahnhof trieb uns die Militärwache in das Lager am Werksgelände. Es war umzäunt – an allen Ecken standen Wachtürme. Drinnen standen Wachmänner mit Maschinengewehren und Pistolen.“
Die Ausstellung beleuchtet auch, was aus den Opfern und den Tätern nach 1945 wurde und behandelt zudem das Thema Entschädigung. Nach dem Krieg ging aus den Reichs Werken Hermann Göring zunächst der staatliche Betrieb VÖEST hervor, der zu einem Leitbetrieb der österreichischen Nachkriegsindustrie avancierte. Durch Privatisierung entstand dann 1995 die heutige voestalpine AG. Der noch immer stahlbasierte Konzern erreichte zuletzt einen Umsatz von 11,2 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit rund 48.100 Mitarbeiter.





