Da es nur wenige Quellenmaterialien über Johannes Schreck gibt, schmückt Langner seine biographische Erzählung mit zahlreichen Einbli-cken in die Geschichte Chinas und der Jesuiten aus. Der Leser erfährt von den Debatten der Gelehrten im Europa des 17. Jahrhunderts, vom Schicksal des berühmten Pioniers der europäischen China-Mission Matteo Ricci, von der Willkür der Eunuchen am Kaiserhof der späten Ming-Dynastie (1368 –1644), von chinesischer Mathematik, Medizin, Philosophie und von vielem mehr.
Der 1576 in der Nähe von Konstanz geborenen Johannes Schreck hatte in Freiburg Medizin und Pharmazie studiert. Der Eintritt in die Jesuitenmission ermöglichte ihm die Begegnung mit China, dessen kaiserliche Regierung als Förderin der Wissenschaften galt und sich vor allem für die westlichen Kenntnisse in Astronomie und Mathematik interessierte. Dazu warb ihn im Jahr 1614 der belgische Jesuitenpater Nicolas Trigault an. Nach Aufenthalten in Goa und Macao konnte Schreck 1621 endlich chinesischen Boden betreten. Er hatte ein neues, an Kopernikus orientiertes Weltverständnis und ein galileisches Fernrohr im Gepäck. Nach Sprach- und anderen Studien öffnete Schrecks exakte Voraussage einer partiellen Sonnenfinsternis im Jahr 1629 ihm endlich die Tore des Kaiserpalasts in Peking. Seine Berufung zur Mitarbeit an der kaiserlichen Kalenderreform bildete den Höhepunkt der Gelehrtenkarriere des Jesuitenmissionars.
Johannes Schrecks wichtiger Beitrag in dieser frühen Epoche der europäisch-chinesischen Begegnung lag in seinem Informationstransfer zwischen Ost und West. Am Beispiel der unterschiedlichen Entwicklungen in Mathematik und Medizin machte er die verschiedenen Denkansätze deutlich, die europäische und chinesische Gelehrte des 17. Jahrhunderts voneinander trennten. Schreck nutzte seine China-Jahre vor allem zur intensiven Lektüre chinesischer Werke über Medizin, Pharmazie und Philosophie. Ihm eröffnete sich eine neue Welt des Wissens und des Denkens, die er in seinen Briefen auch nach Europa übermitteln wollte. Indem Schreck Chinas Gelehrten westliche Konstruktionspläne weitergab, sein medizinisches Wissen in chinesischen Werken veröffentlichte und das heliozentrische Weltbild in China verbreiten wollte, setzte er sich über die Regeln des Jesuitenordens hinweg. Dieser Brückenschlag zwischen den Kulturen wurde jedoch 1630 durch Schrecks plötzlichen Tod abgebrochen. Damit endete ein bisher unbekanntes, spannendes Kapitel frühneuzeitlicher Wissenschafts- und Missionsgeschichte.
Rezension: Dabringhaus, Sabine





