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Krieg den Sklavenhaltern!
In die Freiheit entkommene Sklaven schlossen sich seit dem 17. Jahrhundert im Hinterland der niederländischen Kolonie Surinam zu wehrhaften Gemeinschaften zusammen. Der Kampf dieser sogenannten Marrons gegen die Kolonialmacht gehört zu den Gründungserzählungen des südamerikanischen Landes.
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von WINFRIED DOLDERER
Nach sieben mit nervenzehrenden Auseinandersetzungen angefüllten Amtsjahren wähnte Jan Jacob Mauricius den Untergang nahe. Am 21. Mai 1749 schrieb der Gouverneur von Surinam einen Brandbrief an die Generalstaaten der Republik der Vereinigten Niederlande in Den Haag. Die Feinde, so Mauricius, „sind gegenwärtig sehr stark und werden mit Recht gefürchtet“. Die Gefahr sei groß, „dass auf die Dauer die Kolonie gänzlich überrannt wird“. Dringend erforderlich sei die Entsendung zusätzlicher Truppen.
Den Feind, durch den Mauricius nicht weniger als die Existenz seines kleinen Reiches bedroht sah, hätte es in geordneten Verhältnissen, wie er sie sich vorstellte, gar nicht geben dürfen. Dass sich Sklaven eigenmächtig aus ihren Unterkünften entfernten, im Dschungel untertauchten, sich zu kampfstarken Verbänden zusammenfanden, jahrzehntelang Krieg führten gegen ihre einstigen Besitzer, denen sie schmerzhafte Kompromisse abtrotzten, um schließlich eine ganze Kolonie in den Bankrott zu treiben: All das lief dem Kosten-Nutzen-Kalkül einer von unfreier Arbeit zehrenden Plantagenwirtschaft ebenso zuwider wie dem Weltbild einer im Herrenmenschen-Dünkel befangenen weißen Ausbeuterschicht.
Große Flüsse prägen das Landschaftsbild am nordöstlichen Küstensaum des südamerikanischen Kontinents. Diese wälzen aus dem dschungelüberwucherten Hinterland ockerbraune Fluten in Richtung Atlantik und weiten sich auf den letzten Kilometern zu Mündungstrichtern von solcher Breite, dass von einem Ufer aus das gegenüberliegende allenfalls zu erahnen ist. Seit dem beginnenden 17. Jahrhundert hatten sich Franzosen, Niederländer und Briten bemüht, an den Mündungen des Suriname, des Commewijne, des Corantijn und des Saramacca Fuß zu fassen, waren allerdings auf energischen Widerstand der einheimischen Völker der Kariben und Arawaken gestoßen. Diese wehrten vier Jahrzehnte lang jeden Versuch einer europäischen Koloniegründung ab.
Eine Kolonie aus großen Plantagen, verwaltet von der privaten „Sozietät von Surinam“
Erst nach 1650 gelang es zunächst Briten, dann Niederländern, sich an der „Wilden Küste“, wie die Gegend damals genannt wurde, festzusetzen. Im Frieden von Breda, der 1667 dem zweiten Englisch-Niederländischen Krieg ein Ende machte, fiel Surinam an die niederländische Provinz Seeland. Die von den Briten im Mündungsgebiet von Suriname und Commewijne errichtete Festung, in deren Schutz sich die heutige Hauptstadt Paramaribo entwickelte, trägt seither den Namen Fort Zeelandia.
Für 260 000 Gulden verkaufte Seeland die Kolonie 1682 an die private West-Indische Compagnie (WIC), der die niederländischen Generalstaaten das Monopol auf die kommerzielle Erschließung Amerikas und den transatlantischen Sklavenhandel überlassen hatten. Ein Jahr später nahm die WIC zwei Teilhaber mit ins Boot, die Stadt Amsterdam und die begüterte Patrizierfamilie Aerssen van Sommelsdijck. Gemeinsam taten sie sich zu einer Kapitalgesellschaft unter dem Namen „Sozietät von Surinam“ zusammen. Die Sozietät hatte Anspruch auf 20 Prozent der in der Kolonie erwirtschafteten Profite und besaß das Monopol im Sklavenhandel, verbunden mit der Verpflichtung, jährlich so viele Menschen zu liefern, wie auf den Plantagen jeweils benötigt wurden. Sie hatte zudem die Kosten für Verwaltung und Verteidigung zu tragen.
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Als Gouverneur im Namen der Sozietät trat Cornelis Aerssen van Sommelsdijck im November 1683 sein Amt an. Er gilt als eigentlicher Gründer der Kolonie, organisierte Verwaltung, Justiz, Polizei und Militär, Letzteres in Gestalt einer Bürgermiliz, in der alle männlichen weißen Einwohner dienstpflichtig waren. Er förderte die Einwanderung protestantischer Hugenotten aus Frankreich und jüdischer Flüchtlinge aus Brasilien und Europa, die in Surinam die ersten Zuckerraffinerien errichteten. Er selbst weihte 1685 die neue Synagoge der jüdischen Gemeinde ein. Ein Erfolg van Sommelsdijcks war nicht zuletzt, dass die Kolonie zu Beginn seiner fünfjährigen Amtszeit 50, an deren Ende 200 Plantagen zählte.
Angebaut wurde zunächst fast ausschließlich Zuckerrohr, seit dem beginnenden 18. Jahrhundert kamen Baumwolle, Kaffee und Kakao hinzu. Die Anbauflächen lagen unweit der Küste an den Unterläufen der großen Flüsse, deren Ufer zu beiden Seiten von Plantagen gesäumt waren. Sie reichten nicht weiter als knapp 100 Kilometer ins Landesinnere hinein und grenzten unmittelbar an das unerschlossene Urwaldgebiet, das sich zwischen den Flüssen stellenweise bis in Küstennähe erstreckte. Wer zur Flucht aus Gefangenschaft und Zwangsarbeit auf den Plantagen entschlossen war, hatte es in der Regel nicht weit.
Bereits unter britischer Herrschaft waren Sklaven einzeln oder in kleinen Gruppen im Dschungel verschwunden. Erstmals 1655, seither regelmäßig, überfielen sie Plantagen, um sich mit dem Nötigsten – Lebensmitteln, Werkzeugen, Waffen – zu versorgen. Die niederländische Kolonialverwaltung vermutete im Jahr 1679 bereits 700 bis 800 entlaufene Sklaven in den Urwäldern. Im Sprachgebrauch der Kolonialherren hießen sie „Marrons“, abgeleitet vom spanischen cimarrón für „verwildert“, ein Begriff, der auf Pflanzen und Tiere, im Sklavenhalterjargon aber auch auf Menschen Anwendung fand.
Marrons überfielen 1678 mehrere Plantagen jüdischer Eigentümer und griffen zwei Jahre später sogar die Hauptstadt Paramaribo an. Gemeinsam mit Kariben, Warao und Arawaken brachten sie in einem sechs Jahre dauernden Krieg die Kolonie an den Rand des Untergangs. Die Indigenen wehrten sich dagegen, dass sie von weißen Siedlern immer wieder gekidnappt und versklavt wurden. Sie verlangten, als freie Einwohner der Kolonie anerkannt zu werden. Als Sommelsdijck ihnen 1684 einen bedingungslosen Frieden anbot, bestanden sie darauf, dass dieser auch für die Marrons zu gelten habe. Das Bündnis von Indigenen und Marrons gegen die Kolonialmacht sollte sich als dauerhaft erweisen.
In der weißen Bevölkerung grassierte die Angst. „Dieses Volk, in dem es eine Menge raffinierter Kerle gibt, kann nur mit großer Mühe von so wenigen Weißen, wie hier leben, im Zaum gehalten werden“, notierte bereits 1670 der noch für die Provinz Seeland amtierende Gouverneur Philip Julius Lichtenberg über die wachsende Zahl der Marrons. Als die Kariben 1678 bei einem Großangriff 70 Plantagenbesitzer umbrachten, flohen Weiße in Scharen nach Paramaribo.
Aufhängen, verbrennen, köpfen: Die Kolonialmacht setzt auf Terror
Ein knappes Jahrhundert später beklagte der Gouverneur Jan Nepveu „die erschreckende Gefahr durch unsere eigenen Sklaven, deren Menge in exzessivem Missverhältnis zur geringen Zahl der auf den Plantagen lebenden Weißen steht“, und die „Dreistigkeit“ der Marrons. Damals, in den 1770er Jahren, zählte Surinam 50 000 Einwohner afrikanischer und 2000 europäischer Herkunft. Auf rund 500 Plantagen lebten im Durchschnitt je 230 Sklaven. Um die Fluchtbewegung von ihren Landgütern einzudämmen, schickten die Niederländer seit etwa 1690 Suchtrupps in den Dschungel, vielfach auch privat organisiert, die Entwichene aufspüren sollten. Das gelang in den seltensten Fällen.
In der undurchdringlichen Vegetation kamen die Expeditionen am Tag nur wenige Kilometer voran, immer wieder liefen schwarze Lastenträger, die sie begleiteten, unterwegs zu den Marrons über. Außerdem machten Klima und Krankheiten den Teilnehmern zu schaffen, die oftmals nach Wochen unverrichteter Dinge und restlos erschöpft aus dem Dschungel zurückkehrten.
Umso nachdrücklicher setzte die Kolonialmacht auf abschreckenden Terror. Am 16. Dezember 1730 statuierte sie ein blutiges Exempel an elf gefangenen Marrons, Männern, Frauen und Kindern. Der in ihren Augen Hauptschuldige wurde an einem eisernen Haken aufgehängt, der ihm in den Brustkorb unter die Rippen getrieben worden war. Mehrere Männer wurden auf kleiner Flamme langsam verbrannt, fünf Frauen bei lebendigem Leib alle Knochen zerschlagen, ein Mädchen wurde geköpft. Der surinamische Jurist und Publizist Hugo Essed, der 1984 eine in antikolonialem Geist verfasste Darstellung des „Inländischen Krieges in Surinam“ vorlegte, nennt die Namen der Opfer: Joosje, Wierai, Manbote, Lucretia, Ambia, Agia, Comba, Maria, Victoria, Diana, Christina, die – so Essed – „erhobenen Hauptes und mit unvergleichlichem Stolz diese unvorstellbaren Grausamkeiten erduldeten“.
In seinem 1759 erschienenen satirischen Roman „Candide“ ließ Voltaire, der Doyen der französischen Aufklärung, den Titelhelden auf seiner Reise durch die Welt auch nach Surinam gelangen. Candide sieht hier einen Schwarzen auf der Straße liegen, dem die rechte Hand und das linke Bein fehlen. Auf die Frage, wer ihm das angetan habe, antwortet der Mann: „Wenn wir in der Zuckerfabrik arbeiten und im Mahlwerk einen Finger verlieren, schlägt man uns die Hand ab. Wenn wir fliehen wollen, schlägt man uns das Bein ab. Beides ist mir widerfahren. Das ist der Preis des Zuckers, den ihr in Europa esst.“
Dass Voltaire sich das nicht ausgedacht hatte, erfahren wir aus der 1718 veröffentlichten „Beschreibung der Kolonie Surinam“ eines gewissen J. D. Herlein, der ältesten Abhandlung zum Thema, die im Druck erschien: „Wenn ein Sklave in den Wald flieht … und wieder eingefangen wird, wird ihm zunächst die Achillessehne durchgeschnitten. Im Wiederholungsfall, wenn man die Strafe verschärfen will, wird ihm das rechte Bein amputiert, damit er nicht noch einmal fliehen kann. Ich bin persönlich Zeuge eines solchen Verfahrens gewesen.“
Der Mediziner Philippe Fermin, der nach seinem Aufenthalt in Surinam als Arzt und Ratsherr in Maastricht wirkte, prangerte 1778 den brutalen Umgang der Plantagenherren mit ihren Sklaven an: „Die einen verstümmeln sie, andere prügeln sie zu Tode … Es ist unglücklicherweise nur allzu üblich, sie mit einer Rücksichtslosigkeit zu behandeln, die an Barbarei grenzt.“
Unter diesen Umständen wuchs im sicheren Schutz der Wälder die Zahl der Marrons unaufhörlich an, nach Schätzung der Kolonialverwaltung bis 1738 auf 6000 Menschen. Auch die Angriffe auf das Plantagengebiet nahmen an Frequenz und Heftigkeit zu. Längst hatten sich die einzeln oder in Kleingruppen durch den Dschungel streifenden Flüchtlinge der Anfangszeit zu größeren Klans zusammengefunden, die in festen Dörfern mit 100 bis 200 Einwohnern lebten und deren Oberhäupter den niederländischen Titel „Kapitein“ trugen.
Der Verfolgungsdruck und die stete Bedrohung erforderten freilich noch größere Verbände, die gemeinsam eher in der Lage waren, den Widerstand gegen die Kolonialmacht erfolgreich zu organisieren. So bildeten sich aus der Fusion jeweils mehrerer Klans bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts zahlenstarke Marrons-Gemeinschaften. Sie hielten gut ausgebildete Guerilla-Truppen unter Waffen, in denen jeder wehrfähige Mann dienstpflichtig war. Sie betrieben eine straff organisierte Vorratswirtschaft, zugeschnitten auf die Bedürfnisse einer ständigen Kriegführung. Ihre Anführer trugen den Titel „Granman“, ein französisch-niederländischer Hybridbegriff, dem die Bedeutung „Großer Mann“ unschwer anzusehen ist.
Die drei bedeutendsten und der Kolonialmacht den größten Respekt einflößenden Marrons-Gemeinschaften waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Saramakkaner, Aukaner und Aluku. Die Saramakkaner siedelten im Zentrum des Hinterlandes etwa 100 Kilometer südlich des Plantagengebiets in zwölf Dörfern mit bis zu 1800 Einwohnern. Im Osten am Mittellauf des Marowijne lebten die Aukaner in acht Dörfern mit 1600 Einwohnern. Ebenfalls im Osten, aber näher an der Mündung des Marowijne, hatte sich in zwölf Dörfern mit 800 Menschen die kleinste Gruppe niedergelassen, die Aluku.
In den Jahren nach 1730 änderten die Niederländer ihre Strategie. Statt auf Eindämmung der Fluchtbewegung durch Terror und den Versuch, die Entflohenen im Urwald zeitnah wieder einzufangen, setzten sie jetzt darauf, die mittlerweile herangewachsenen Marrons-Gemeinschaften unter allen Umständen auszurotten.
Mit wechselndem Erfolg führten ihre in ganz Europa rekrutierten Kolonialtruppen viele Jahre lang einen Dschungelkrieg, für den sie nicht ausgebildet waren, ohne indes den Feind entscheidend zu schwächen, geschweige denn zu vernichten. Es waren im Gegenteil die Marrons, die zuschlugen, wo und wann immer es ihnen passte. Zwischen 1750 und 1759 überfielen Saramakkaner und Aukaner mehr als 30 Plantagen und befreiten 1200 Sklaven. Im selben Zeitraum kam es zudem zu 15 Aufständen, an denen auf 21 Plantagen bis zu 1000 Sklaven beteiligt waren.
Ertrotzter Rechtsstatus, aber kein dauerhafter Frieden
Hellsichtigeren Vertretern der Kolonialmacht wie dem seit 1742 amtierenden Gouverneur Mauricius dämmerte, dass ein Arrangement mit den Marrons unumgänglich war. Mauricius sah das Missverhältnis zwischen enormen Kriegskosten, die die Kolonie immer weiter in die Überschuldung trieben, und relativer Erfolglosigkeit der militärischen Operationen. Auch auf der Gegenseite gab es Überlegungen, die auf einen Ausweg aus der Gewaltspirale zielten. Im Februar 1757 überfielen die Aukaner sechs Plantagen und hinterließen jedes Mal eine Botschaft in englischer Sprache: Wenn die Weißen Frieden wollten, könnten sie Unterhändler schicken.
So trafen im September 1759 zwei Delegierte aus Paramaribo bei den Aukanern ein, die ihnen einen Empfang nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche bereiteten. Granman Araby hatte die Verhandlungsführung der mittleren Hierarchieebene überlassen, seinen Kapiteins. Diese verpassten den Gesandten zunächst eine kalte Dusche. „Ich hatte nie vor, Frieden mit den Weißen zu schließen, und will es auch jetzt nicht“, herrschte ein Kapitein namens Quaku sie an. „Aber da die Weißen selbst zu uns kommen, könnte ich darüber nachdenken.“
Ein Kollege fuchtelte mit seinem Gewehr herum und brüllte. „Seht her, uns fehlt nichts. Das habe ich selbst gemacht.“ Den entsetzten Delegierten wurde zudem ein Angriffsplan auf eine 70 Kilometer südlich von Paramaribo gelegene jüdische Siedlung enthüllt: „Die Juden haben Gott und uns zu danken, wenn wir nicht ganz Jodensavannah zerstören.“
Dagegen ließ es sich Granman Araby angelegen sein, die Gäste mit ausgesuchter Höflichkeit zu behandeln und ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. So war im Oktober 1760 der Friede, mit dem die Aukaner einen gesicherten Rechtsstatus als freie Einwohner der Kolonie erlangten, unter Dach und Fach. Zwei Jahre später kam ein gleichartiger Vertrag mit den Saramakkanern zustande, und schließlich 1767 mit einer kleinen Marrons-Gruppe, den Matawi.
Der Jubel darüber in Paramaribo war freilich rasch verklungen, als 1770 die Aluku das Land mit einem Überraschungsangriff überzogen. Es folgten sechs Jahre eines mit äußerster Härte geführten Krieges, in dessen Verlauf 30 Plantagen niedergebrannt wurden, Truppen beider Seiten einander 27 Gefechte lieferten und an dessen Ende die Aluku sich vor einer erdrückenden Übermacht ins benachbarte französische Guayana zurückziehen mussten.
Die Kolonie freilich war wirtschaftlich ruiniert. Autor Essed berechnet, dass zwischen 1753 und 1794 die Kriegskosten mindestens 72 Prozent des in Surinam investierten Kapitals verschlangen. Immer mehr Pflanzer rutschten in die Überschuldung. Die niederländischen Banken saßen auf einem Berg fauler Plantagenkredite, was im Dezember 1772 eine Krise am Amsterdamer Kapitalmarkt auslöste. Bis 1786 hatten mehr als 80 Prozent der Plantageneigner ihren Besitz an auswärtige Kreditgeber verloren. Und schon zehn Jahre zuvor hatte Gouverneur Nepveu notiert: „Es herrscht hier gegenwärtig so große Armut, dass viele Weiße, denen man es nicht ansehen würde, sich mit einer trockenen Banane behelfen müssen.“
In der postkolonialen Geschichtsschreibung wird den Marrons das Verdienst und die Leistung zugerechnet, sich bereits ein Jahrhundert vor der Abschaffung der Sklaverei in den niederländischen Überseegebieten 1863 als freie Menschen behauptet zu haben. Essed beziffert die Todesopfer des Sklavereisystems auf 300 000 in zwei Jahrhunderten. „Unser Hinterland bot unseren Vorfahren die Sicherheit und Freiheit, die jeder Mensch erstrebt … Was sie dorthin trieb, waren derselbe Freiheitsdrang und dieselben demokratischen Sehnsüchte, die uns heute noch erfüllen“, urteilte 1984 eine Regierungskommission des unabhängigen Surinam.
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