Aktuelle Geschehnisse haben dieses Geschichtsbild gestört: Heute scheint die „westliche Zivilisation“ von islamischen Gotteskriegern bedroht, gegen die von evange‧likalen Fundamentalisten zum „Kreuzzug“ aufgerufen wird. Von Rückkehr „mittelalterlicher“ Irrationalitäten, aber auch von Kriegstreiberei, die den monotheistischen Reli‧gionen eigen sei, geht die Rede.
Das Buch, das der Theologe Andreas Holzem in der verdienstvollen militärhistorischen Reihe „Krieg in der Geschichte“ herausgegeben hat, ist geeignet, den ausufernden Debatten eine solide Grundlage entgegenzusetzen. Am produktiven DFG-Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen“ der Universität Tübingen entstanden, bieten 33 Historiker und Theologen Einblicke in die Grundlagen und den Wandel der christlichen Vorstellungen vom Krieg.
Ein Leitgedanke ist, dass die Erfahrung des Krieges als einer „Verdichtungszeit existenzieller Grenzsituationen“ in besonderem Maße von religiösen Denkformen, Texten, Bildern, Symbolen und Praktiken geprägt wurde und wiederum auf diese zurückwirkte. Beginnend mit einem Blick auf die biblischen Grundlagen, wird das Verhältnis von christlicher Religion und Krieg in Antike, Mittelalter, früher Neuzeit, Neuzeit und Moderne bis zur Gegenwart des Anti-Terrorkrieges teils in theoretischer Auseinandersetzung, teils an konkreten historischen Beispielen thematisiert. Der überaus reichhaltige Sammelband kann als aktuelles Grundlagenwerk gelten; eine überaus lohnende und bildende Lektüre.
Rezension: Daniel Hohrath





