Der deutsche Bauernkrieg, der 30-jährige Krieg, die Hugenottenkriege in Frankreich und die Schlachten zwischen Frankreich und Spanien sind nur wenige Beispiele für die vielen Konflikte, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert in Europa mit Waffen ausgetragen wurden. In ihren Folgen kam es zu Friedensschlüssen, welche „durchaus Motoren für Veränderungen in der Gesellschaft“ waren, so die Würzburger Professorin. Beispielsweise mündeten die von der Reformation ausgelösten Unruhen in den Augsburger Religionsfrieden von 1555. Von da an waren die Protestanten im Heiligen Römischen Reich geduldet. Der 30-jährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden von 1648, der zahlreiche Grundlagen für das völkerrechtliche Miteinander in Europa gelegt hat.
Das Thema beschäftigte Tischer bereits in ihrer 2009 abgeschlossenen Habilitationsschrift: Aus 343 Kriegsbegründungen arbeitet sie das Verhältnis zwischen Herrschern, dem Gegner und der Bevölkerung heraus. So folgte in der Regel einer Kriegserklärung eine schriftliche Begründung, welche oftmals mehrsprachig verbreitet wurde. Dem Gegner wurde meist ein Rechtsbruch vorgeworfen, etwa eine Bedrohung oder Verletzung der Landesgrenze. Ziel war es primär den Krieg vor der Bevölkerung zu legitimeren und den eigenen Friedenswillen zu bekunden – und dabei den guten Ton zu bewahren: Die Schreiben „ enthielten manchmal sogar die besten Grüße an die Familie des Gegners“, so Tischer. Meist antwortete die andere Partei auf die Schriftstücke, so dass sich oft eine regelrechte „Kriegskorrespondenz“ ergab. Agitiert wurde in den Kriegsbegründungen übrigens eher selten. Sie lesen sich meistens wie sachliche juristische Gutachten.





