An einem grauen, kalten Novembertag im Jahr 1632 ging an einer sächsischen Landstraße ein einzigartiger Lebenslauf zu Ende. Gustav II. Adolf, Herrscher Schwedens, fiel am 16. jenes Monats in der Schlacht von Lützen, von Kugeln und Säbelhieben aus der Hand der Kaiserlichen inmitten des Dreißigjährigen Krieges dahingestreckt. Stille museale Zeugen dieses dramatischen Endes stellen bis heute ein zerschlissenes Laken, „auf dem der Seligen Königlichen Majestät Leichnam geruht hat“, und ein von Blutflecken gezeichnetes Handtuch dar, das bei der Einbalsamierung seines Herzens Verwendung gefunden hatte.
Immer wieder hatte der Reichskanzler und Weggefährte Axel Oxenstierna (siehe DAMALS 2-2008) seinen Herrn aufgefordert, sich nicht persönlich in gefährliche Kampfsituationen zu begeben, um sein unersetzliches Leben zu schonen. Doch gerade darin lag ein Teil seines Erfolgs: Schon zuvor hatte der Herrscher im Kampf gegen Dänen und Polen immer wieder in vorderster Reihe gefochten und dabei seinen Soldaten als Ansporn und Vorbild gedient.
Gustav Adolf wurde am 19. Dezember 1594 als Sohn des späteren Königs Karl IX. von Schweden und Christines von Holstein-Gottorf geboren. Sein Großvater war der schon zu Lebzeiten legendenumwobene Gustav Wasa, der Schweden um 1520 aus dem mittelalterlichen, von Dänemark dominierten Unionskönigtum in die Unabhängigkeit geführt hatte. Bei seiner Geburt war Schweden immer noch ein armes Land. Abgesehen von Erzen, verfügte das Königreich über keine nennenswerten Ressourcen, und ein Großteil des Landes war von Tundra und Wald bedeckt. Sowohl im Westen mit Dänemark als auch im Süden mit Polen blickten zwei stetig an Macht gewinnende Nachbarn begehrlich auf Schweden. In Polen war 1587 Sigismund – ein weiterer Enkel Gustav Wasas – zum König gewählt worden. Sieben Jahre später bestieg er auch den schwedischen Thron. Auf Geheiß seiner polnischen Mutter Katharina war Sigismund katholisch erzogen worden. Doch gerade der wachsende Widerstand des schwedischen Adels gegen seine katholikenfreundliche Politik und ein erbitterter Kampf mit seinem Onkel Karl von Södermanland (dem späteren Karl IX.) führten 1599 zum Sturz Sigismunds in Schweden und zur Einsetzung des Onkels selbst. König von Polen blieb Sigismund bis zu seinem Tod 1632 – dem Jahr von Lützen. Aus diesem politischen Konflikt zwischen Neffe und Onkel entwickelte sich ein jahrzehntelanger polnisch-schwedischer Krieg, in den auch noch das von Thronfolge‧wirren geplagte Russland verwickelt wurde.
Unter diesen Voraussetzungen erscheint es nur natürlich, dass Schweden ein gutes Verhältnis zu seinem westlichen Nachbarn Dänemark unter dessen jungem, machtbewusstem König Christian IV. anstreben musste. Von Dänemark, das viele Jahrhunderte lang in einer Personalunion mit Norwegen verbunden war, mochte sich Schweden geradezu eingekreist fühlen. Nicht nur gehörte der Süden des Landes mit Schonen, Halland und Blekinge zum mächtigen Nachbarn jenseits des Öresunds, sondern auch das am Kattegat mit Zugang zur Nordsee gelegene Bohuslän befand sich unter dänisch-norwegischer Herrschaft. Dazwischen lag im Westen nur ein schmaler Streifen schwedischer Küste. Und allein über die hier gelegene Festung Älvsborg bestand ein Zugang zur Nordsee – was Schweden schnell in eine prekäre Situation bringen konnte. Aber auch gegenüber Dänemark geriet Gustav Adolfs Vorgänger Karl IX. aufgrund wirtschaftlicher und territo-rialer Interessenüberschneidungen schon bald in unruhiges Fahrwasser, und im April 1611 folgte die dänische Kriegserklärung. Ein gutes halbes Jahr nach Beginn des dänisch-schwedischen Krieges starb Karl IX. Sein Sohn und Nachfolger Gustav Adolf übernahm mit den Konflikten mit Polen und Dänemark ein schwieriges Erbe.





